| Geschrieben von: Sylvia Pommert, Mitteldeutsche Zeitung |
| Sonntag, 23. September 2007 um 00:00 Uhr |
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Inge Jastram und Ralph Penz zeigen jüngste Arbeiten in einer gemeinsamen Schau
Halle/MZ. Sie könnten thematisch kaum gegensätzlicher sein, die Arbeiten der beiden Künstler, die seit Samstag in der aktuellen Ausstellung der Galerie Dr. Stelzer und Zaglmaier zu sehen sind. Inge Jastram, in der ländlichen Idylle des mecklenburg-vorpommerschen Marlow / Kneese zu Hause, und Ralph Penz, der eng mit dem altstädtischen Halle verbunden lebt, zeigen Malerei und Grafik. Und die allermeisten Blätter entstammen direkt dem jüngsten Schaffen der beiden. So überrascht Ralph Penz mit Aktbildern, die reich an Formen und Farben sind. "Akt mit Sternen" oder "Rückenakt" - in den letzten beiden Jahren entstanden - spiegeln echte Lebensfreude. Und der "Akt mit italienischer Landschaft" ist wiederum nur ein Zeichen dafür, dass der Künstler seine enge Beziehung zu Architektur und Raum auch bei der neuen Thematik nicht ganz beiseite legen will. Logisch also, dass in der Schau auch wieder der "typische Penz" zu sehen ist. Alte Straßenzüge und Häuser, verlassene Gemäuer, schief, bröckelnd, zerfallend und doch stolz und geschichtsträchtig, bilden seine Motive seit Jahren. Bis ins Detail geht er architektonischen Strukturen nach, so in der 2006 entstandenen Arbeit "Franziskanerhalle". Freilich reduziert Ralph Penz seine Vorliebe für alte Baukunst nicht nur rein aufs Künstlerische. Längst hat er gemeinsam mit seiner Frau Uli Hamers sein Zuhause in einem alten Fachwerkhaus in der Mittelstraße gefunden, das beide vor dem Verfall bewahrten. Die eigene Galerie im Erdgeschoss gehört logischerweise dazu. Eine eigenwillige Faszination geht von den Bildern Inge Jastrams aus. Vor allem ihre lebensgroßen Kaltnadelradierungen fesseln den Betrachter. Dabei hatte sich die heute 73-Jährige zunächst und vor allem als Buchillustratorin und damit mit der eher kleineren Form einen Namen gemacht. Doch schon mit der Gestaltung einer Wandmalerei im Warnemünder Teepott oder einer raumgreifenden Illustration in der einstigen Rostocker Jugendmode dürfte klar gewesen sein, dass sich die in Naumburg geborene und mit dem Künstler Jo Jastram verheiratete Grafikerin zu "Größerem berufen" fühlte. Die nun in der neuen Schau vorgestellten Zirkusbilder sind ein Ergebnis dessen. Was hier berührt, sind vor allem die Blicke hinter den Vorhang. "Es sind Mitteilungen der höheren Art, die uns zerstören und erregen", so der Verleger Michael Faber, einer der Geschäftsführer des Leipziger Verlages "Faber und Faber", am Samstag auf der Vernissage. Inge Jastram zeigt mit einer Eindringlichkeit, die manchmal schon betroffen macht, was hinter dem kurzen Genuss, dem schnellen Rausch zurückbleibt. Übersättigung, Niedergeschlagenheit, Einsamkeit spiegeln die Gesichter ihrer Figuren. Ganz klar bezieht Inge Jastram Stellung auch in ihren kleinformatigen Arbeiten. Und da ist es mehr als Verletzlichkeit, die beispielsweise aus den Bildern "Kinderprostitution", "Großstadtlied" oder "Strichjungen" spricht. Doch die Grafikerin auf derlei schwerwiegende Themen zu reduzieren, wäre ganz falsch. Ein wahres Feuerwerk an Humor und Hintergründigkeit spricht aus solchen Blättern wie "Großer Ausschnitt", "Hoch hinaus" oder den fröhlichen "Schuhphantasien". Ihnen ist es unter anderem zu verdanken, dass der Besucher die Ausstellung mit einem Lächeln auf den Lippen betritt und auch wieder verlässt. Malerei und Grafik von Inge Jastram und Ralph Penz ist bis 31. Oktober in der Großen Steinstraße 57 zu sehen. |





Inge Jastram zur Vernissage in der Galerie Dr. Stelzer und Zaglmaier: Eine eigenwillige Faszination geht von den Bildern der Künstlerin aus, die jetzt in Mecklenburg-Vorpommern lebt und nun in Halle Malerei und Grafik aus ihrem jüngsten Schaffen präsentiert. (MZ-Foto: Lutz Winkler)