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Geschrieben von: Thomas Zaglmaier   
Samstag, 22. September 2007 um 02:00 Uhr

Rede zur Ausstellungseröffnung „Ralph Penz“ am 22. September 2007

Und wieder ist unser Kabinett Ausstellungsfläche für einen halleschen Künstler, dessen Arbeiten wir schätzen und gern zeigen. Ralph Penz wurde 1954 in Sondershausen (Thüringen) geboren, wo er auch die ersten Schuljahre verlebte. Bald wurde er erfolgreicher Wassersportler und absolvierte das Abitur an der Kinder- und Jugendsportschule in Berlin-Köpenick. Nach Grundwehrdienst und Bewerbung an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein in Halle ging Penz zum Vorpraktikum am Institut für Architekturemaille der „Burg“ nach Thale. Das Studium der

Malerei und Grafik folgte dann in Halle bei Gudrun Brüne und Frank Ruddigkeit in den Jahren 1977 - 1984 und schloss 1984 mit dem Diplom bei Hannes H. Wagner.  Ralph Penz befasst sich als freischaffender Künstler seit 1984 bildkünstlerisch mit Architektur. Es fällt auf, dass er sich intensiv mit der Geschichte unserer Stadt auseinandersetzt, sie liebt und leidet wenn wichtige Zeugnisse als Komponenten unserer unmittelbaren kulturellen Identität verloren gehen. Immer wieder haben sich hallesche Künstler mit diesem Thema auseinandergesetzt. Albert Grell (1814 - 1891) z. B. schuf hervorragende Zeichnungen und Aquarelle, dokumentierte mit annähernd fotografischer Genauigkeit Gebäude und städtebauliche Ensemble. Der Hallenser Helmut Jacobi erreichte mit seinen Arbeiten internationale Bekanntheit und arbeitete mit namhaften amerikanischen Architekten zusammen, wenn es um qualitätvolle Architekturdarstellungen derer Entwürfe ging. Es sind aber auch die Zeichnungen und Aquarelle von Christian Böhm, welche wir im Zusammenhang einer Betrachtung der Architekturdarstellungen Halles unserer Zeit gern vor Augen haben. Als Maler und Grafiker haben Künstler wie Hans-Christoph Rackwitz und Ralph Penz jedoch natürlich nicht das Anliegen dem schöpferischen Entwurfsprozess als Handwerk zu dienen, sondern sie befassen sich mit Stimmungen, welche diese zu Stein gewordenen Objekte der Geschichte der Menschen reflektieren. Hierbei nutzte Penz in der Vergangenheit überwiegend die Mittel der Druckgrafik und seit einigen Jahren auch die Malerei als Ausdrucksform. Die Stadt Halle bietet dabei eine Fülle an Motiven. Der in den 90er Jahren mehr als beklagenswerte Zustand ihrer Bauten, welche vom Krieg verschont, jedoch – weil ideologisch nicht gewünscht – in der Folgezeit stark vernachlässigt wurden, hatten es Penz angetan. Der Künstler schuf Porträts jener Gebäude. Dabei befasste er sich eben nicht nur mit der Anatomie der äußeren Erscheinung, sondern er reflektiert die Seele der Konstruktion mit der Kenntnis jener Kostbarkeiten, welche oft im Zusammenhang mit ihrem Nutzer stehen. Die Fenster – vernagelt und tot – wie Augen, die nichts sehen. Marode Mauern und bröckelnder Putz – Sinnbilder des andauernden Verfalls. Keine Menschen oder spielende Kinder als Hinweis auf Nutzung und Fortgang in der Altstadt, während Uwe Pfeifer die Probleme urbanen Lebens in der Neustadt mit abgerissenen Drachen und monotoner Gleichgültigkeit zeigt. Alles in allem, ein trauriges Bild von unserer Stadt – die wir lieben, deren Niedergang wir zugelassen haben.Als Künstler kann man wohl kaum direkter und härter reagieren, als in Anlehnung an Arnold Böcklin (1827 - 1901) eine Arbeit zu schaffen, welche „Toteninsel“ heißt und eben diesen Zustand Halles nach 1991 zeigt.Halle erlebt nun eine Wiedergeburt – verliert manchmal an Charme, aber umso öfter gewinnt die Stadt, weil Qualität, wenn sie erkannt wird, besteht. Daran haben Künstler wie Ralph Penz entscheidenden Anteil. 

Mit diesem Ziel erreichbar vor Augen kann Penz sich seit einiger Zeit verstärkt auch neuen Themen zuwenden. Für ihn ist es der Akt. Er bringt seine Modelle in Bezug zur Architektur und auch zur Landschaft, greift zurück auf seine Ausdrucksformen, setzt Lichter, erzeugt Tiefe – es macht Spaß und ist harte Arbeit. Wir wünschen Ralph Penz für sein weiteres künstlerisches Schaffen die besten Erfolge und freuen uns auf den Fortgang. Wird er wiederum in Anlehnung an Böcklin auch eine Arbeit mit dem Titel „Lebensinsel“ schaffen?