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Geschrieben von: Detlef Färber, Mitteldeutsche Zeitung   
Dienstag, 22. Januar 2008 um 08:55 Uhr
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Ungewöhnliche Ordnung für ein Künstler-Atelier: Doch sie passt gut zum Werk von Otto Möhwald. Fast scheint sich hier der Raum in den Korridor jenes Bildes auszudehnen, das der Maler in ein für ihn typisches Blau getaucht hat. (Foto: MZ)

Halle/MZ. Was für eine Nachbarschaft! - Wenn Otto Möhwald aus dem Fenster seines Ateliers schaut, fällt sein Blick direkt auf Reichardts Garten - den halleschen Musenort schlechthin. Freilich nehmen dessen alte hohe Bäume dem Maler im Sommer die Sonne. Nur im Winter, meint Möhwald, sei das Licht hier zum Malen ideal. Der Satz klingt wie ein Gleichnis.

Waren es doch gerade die frostigsten Zeiten der Kulturpolitik, die den erst spät zu Ehren gekommenen aktuellen Kunstpreisträger von Sachsen-Anhalt künstlerisch so weit nach vorn gebracht haben. Der 75. Geburtstag, den Möhwald Ende dieser Woche feiert, gibt hier Anlass zur Rückschau.

Es waren lange Durststrecken, die dieser Künstler in der DDR zu überstehen hatte. Als einer, der sich den politischen Zumutungen an die Kunst gerade in der Ulbricht-Zeit konsequent zu entziehen beschloss, führte Möhwald ein Leben, in dem Kreativität und Broterwerb meist zweierlei sein musste. Das Geld für die Familie verdiente der Maler zum Beispiel mit der Gestaltung von Messeständen, beim Entrosten der alten Berliner Brücke oder auch auf dem Bau.

Dort war Möhwald übrigens ein ganzes Jahr lang Kollege von Albert Ebert - auch so einem Künstler, der die wirkliche proletarische Arbeit der gehorsamen Herstellung von proletarisch-propagandistischer Kunst vorzog. Umso kurioser klingt, dass ausgerechnet ein Proletarier-Kollektiv aus Buna 1970 den vorzeitigen Abbruch einer Möhwald-Ausstellung in der Moritzburg bewerkstelligt haben soll. "Zu sehen bekamen wir Bilder, von denen eine eisige Kälte ausgeht, wo der Mensch als ein weltfremdes, vereinsamtes und konturloses Wesen dargestellt wird: Farbspielereien ohne für uns erkennbaren Sinn und Zweck" - so zitierte die "Freiheit" die kunstsinnigen Genossen, die Möhwalds Bilder nur leider nicht gesehen hatten. Das Museum musste sie nämlich schon vor deren Besuch entfernen.

Doch merkwürdig: Gerade in dieser Zeit des lautesten politischen Geschreis zog Ruhe in Otto Möhwalds Bilder ein - jener Zug, der wohl der charakteristischste ist für sein Schaffen. Sogar von "bewegender Ruhe" in den Gemälden habe sein Künstlerfreund Hermann Bachmann mal gesprochen.

Schneller ins Auge fällt dagegen Möhwalds Vorliebe für alte Fassaden, und Wände - Oberflächen, in die sich auch seine Art der Akt-Malerei nahtlos einzufügen scheint. Auch hier ist es die Art der Darstellung der nackten Oberfläche, die den Blick magisch anzieht. Dass dieser so tief blickende und auslotende Künstler für die bildnerischen Ergebnisse seines Schauens ausgerechnet und immer wieder Fassaden als Projektionsflächen wählt, das muss man schon Kühnheit nennen. Doch nur solche Konsequenz macht es wohl möglich, dass Bilder einen Sog entfalten, wie die von Möhwald es tun. Deshalb sieht es der Meister auch mit etwas gemischten Gefühlen, dass ihm von Jahr zu Jahr mehr von seinen Fassaden "wegsaniert" werden. Doch gilt wohl auch für dieses, nun vergleichsweise kleine Problem, was Möhwald über seine schweren Jahre sagt: "Schwierigkeiten sind ein angemessener Preis für Kunst."

In der Galerie Stelzer und Zaglmaier (Gr. Steinstraße 57) wird Samstag, 15 Uhr, die große Jubiläumsschau für Otto Möhwald eröffnet. Im Opernhaus läuft noch die Ausstellung des Halleschen Kunstvereins mit Möhwalds Aquarellen.