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Geschrieben von: Detlef Färber, Mitteldeutsche Zeitung   
Mittwoch, 24. September 2008 um 17:39 Uhr

Für seine Bilder lauscht Karl-Heinz Köhler der Melodie der Landschaft

VON DETLEF FÄRBER, 18.09.08, 19:24h, aktualisiert 18.09.08, 19:27h

HALLE/MZ. Tutti ist ein Begriff aus der Musik. Er besagt, dass die Königin der Instrumente - die Orgel - alle ihre Register klingen lässt. Auch für ein voll orchestriertes Spiel steht das Wort. Doch was Musiker können, das muss auch einem Künstler möglich sein, der überall nur der Musikmaler heißt, nämlich Karl-Heinz Köhler.

Wenn am Samstag in der Galerie Stelzer und Zaglmaier seine neue, große Ausstellung eröffnet wird, steht den Besuchern insbesondere vor einer Wand ein großer Eindruck bevor. Ungewöhnlich eng aneinander und übereinander gehängt, präsentieren die Galeristen Köhlers Halle-Bilder. Fast wie ein Orchester sind die Gemälde gruppiert. Absicht? - Helmut Stelzer und Thomas Zaglmaier (beide Galeristen und Architekten in einem) zweifelten nur kurz, ob es angeht, diese Fülle auch als solche zu zeigen. "So dicht bei dicht, wie hier Köhlers Halle-Bilder, ist Halle selber ja auch" - befand aber schließlich Zaglmaier. Und los ging es mit dem Aufhängen der Gemälde.

Ausschließlich mit Landschaften - Stadt- und Umland-Landschaften - stellt sich Köhler in der neuen Schau seiner Fangemeinde vor. Also gar nicht als Musikmaler? - Wer die Bilder nicht nur betrachtet, sondern auf sich wirken lässt, wird in ihnen dennoch jede Menge Musikalisches entdecken.

Auch ohne dass ein einziges Instrument, ohne dass ein Musiker oder auch nur ein Stück Notenblatt als optisches Element sich dem Auge des Betrachters zu erkennen gibt, liegt hier Musik in der Luft. Denn Köhlers Halle scheint zu swingen. Händels Stadt swingt im Farbenrausch, die Türme auf dem Markt muten an, als tänzelten sie. Und das kolossale Blau oder auch mal das Gelb, das so oft die Szenerien umgibt, wirkt wie ein satter Sound.

Köhler und Halle, das ist nun freilich auch keine ganz neue Entdeckung. Doch im Zusammenspiel mit den Landschaften außerhalb überrascht doch die Konsequenz des Musikalischen - als Inspiration einerseits, wie auch als Aura, die von den Bildern ausgeht.

Seien es die Saale- und anderen Flusslandschaften, seien es Blicke zum Petersberg oder auch jene eher nicht identifizierbaren Impressionen von sehr konkreter hiesiger Natur - immer scheint es, als habe der Maler diesen meist halbwegs unberührten Tälern, Hügeln oder Ebenen ihre Melodien abgelauscht. Und Melodien haben sie alle - schließlich sind sie ja auch Händels Landschaften, die samt ihrem Klang Halles Genie ein Leben lang mit sich herumgetragen hat.

Und so ist es wohl auch kein Zufall, dass dieser für Halle so wichtige Maler und diese verdienstvolle Galerie rechtzeitig vor dem großen Händeljubiläumsjahr mit der Sichtung dessen begonnen hat, was rund um den Komponisten den Besuchern im nächsten Jahr als Verständnishilfe für das große Werk des Weltmusikers angeboten werden kann. Und nun darf man wohl auch gespannt sein, was anderen künstlerischen Gewerken zu diesem Thema einfallen wird.