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Geschrieben von: Dr. Helmut Stelzer   
Donnerstag, 11. Juni 2009 um 12:32 Uhr

Wir eröffnen heute eine Hauptausstellung mit Malerei, Zeichnungen und Radierungen Joachim Johns und haben auch heute noch das Glück, den Schriftsteller Joachim John hier in der Galerie zu erleben – er wird, wie Sie wissen, in ca. zwei Stunden aus seinem autobiografischen, von ihm illustrierten Buch „bube John“ lesen. In diesem Buch findet man auch die wichtigsten Lebensdaten des Künstlers. Er wurde 1933 in Tetschen/Böhmen geboren. Die Familie wurde 1945 ausgesiedelt. Nach dem Abitur 1952 in Zerbst (Sachsen-Anhalt) und verschiedenen Tätigkeiten studierte er Kunsterziehung, wurde an der Akademie der Künste Meisterschüler bei Hans Theo Richter und arbeitete ab 1965 als freischaffender Künstler in Berlin, seit 1977 nach seiner Übersiedlung in Veelböken/Neu Frauenmark (Mecklenburg) lebte und arbeitete er in einem denkmalgeschützten Dielenhaus in räumlicher Nähe Ernst Barlachs. 1985 erhielt er den Käthe-Kollwitz-Preis, war 1990 als Gastprofessor tätig in der Gesamthochschule Kassel und 1993 Ehrengast des Landes Mecklenburg-Vorpommern in der Villa Massimo in Rom, 1998 erhielt er den Kulturpreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Er ist Mitglied der Akademie der Künste. Die Preisnamensstifterin Käthe Kollwitz wurde übrigens vor 90 Jahren das erste weibliche Mitglied der Preußischen Akademie der Künste.  

Joachim John schrieb mehrere Hörspiele und veröffentlichte die Bücher „Columbiana“, „Der Stubenreiter“, „Zoo“ und „Bornholm bunt“. 

Der Künstler hat sich 1977 mit seinem Umzug nach Veelböken/Neu Frauenmark weiß Gott nicht in ein Elfenbein-Dielenhaus zurückgezogen. Hauptsächlich hier und in den Theatern der nächsten Umgebung, nach dem Deutschen Theater in Berlin nunmehr das Schweriner Staatstheater, verknüpfen sich seine Reflektionen mit den kulturellen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen, mehr oder weniger deutlichen und erträglichen Impulsen des Alltags, die sein Schaffen begleiten. Dazu gehört natürlich besonders auch die wunderbare Landschaft, mit der der Künstler dort lebt, die ihn anregt. Gudrun Schmidt schreibt 2006 über Joachim John anlässlich seiner Ausstellung im Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum Schloss Rheinsberg „Mit einem Vorrat dünner Bleche als zukünftige Druckplatten für Kaltnadelradierungen in der Tasche geht er querfeldein und kratzt und ritzt vor Ort und Stelle seine Sicht auf Felder, Bäume, Wolken unkorrigierbar in das Metall. Joachim John, mehrfach begabt, sind seitdem auch lyrische Texte gelungen, die wohl ohne die Einlassung in die Bedingungen seiner unmittelbaren Umgebung und seiner Reflexionen darauf nicht denkbar und nicht wahrhaftig wären.“ 

In der Ausstellung können Sie diese Radierungen der Mecklenburger Landschaften sehen – auch römische Landschaften u. a. mehr. Zahlreiche Zeichnungen sind dem Thema „Verführung auf toskanisch“ gewidmet, andere solchen Themen wie „Mauerspechte“, „Hasenland“, „Hans Guckindieluft“, usw. Alle Arbeiten sind begeisternd schön zu erleben, zeugen von einem Reichtum an Phantasie und der großen zeichnerischen Befähigung des Künstlers. Drei Ölbilder aus jüngster Zeit machen uns mit dem Maler John bekannt. Auch in der Malerei ist seine authentische Freude an Themen Farben und Formenvielfalt unverkennbar. 

Joachim John hat bisher ein wunderbares Gesamtwerk geschaffen – an dem er ständig weiterarbeitet. Es ist seine Bescheidenheit, wenn er dazu gefragt wird und antwortet: „Der Sinn meiner Arbeit ist eine Beschäftigung, die erträglich ist und manchmal angesehen, entspannend bis heiter, wenn sie möglichst spielerisch abläuft“ – also Unterhaltung ist. 

Joachim John sagt aber auch, wenn es die Erfüllung eines höchsten ästhetischen Anspruchs betrifft: „Eine Zeichnung ist gut, wenn dort, wo der Stift das Papier nicht berührt, zauberisch etwas erscheint.“ 

Joachim John ist sicher bewusst, dass ein Künstler eigentlich an den Dingen des Lebens kaum etwas ändern kann, er strebt aber Änderungen an, für sich und auch für uns, um die Qualität seiner Arbeit Willen, auch um den Zeitvertreib, wie er sagt, und die Freude, die er dabei hat und wir alle damit haben können. In dem vorzüglichen Katalog der Joachim John-Ausstellung im Kulturspeicher im Schloss in Oldenburg ist ein Interview mit dem Künstler abgedruckt. Jürgen Steinfeld fragt ihn u. a.: „Ich sah (im Dielenhaus), Ihre Schränke sind mit Zeichnungen und grafischen Blättern gefüllt. Wenn das Haus, in dem Sie leben, plötzlich zerstört würde, was wollen Sie im letzten Moment retten?“ Die Antwort Joachim Johns: „Meinen alten Hund, und von meiner Frau einen Arm voller Klamotten, sicherlich die falschen. 

In diesem Zusammenhang ist es beruhigend zu wissen, viele von Joachim Johns Arbeiten befinden sich weit verbreitet in privaten und öffentlichen Sammlungen im In- und Ausland.  

Lieber Herr John, natürlich kennen wir Ihre Arbeiten schon lange. Wir freuen uns aber auch besonders, dass wir Sie mit dieser Ausstellung auch persönlich kennengelernt haben. 

Dr. H. Stelzer

Rede zur Ausstellungseröffnung „Joachim John“ am 09. Mai 2009