Home Eroeffnungsreden Walek Neumann

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Geschrieben von: Dr. Helmut Stelzer   
Donnerstag, 11. Juni 2009 um 12:36 Uhr

Walek Neumann kenne ich bereits länger als 50 Jahre. Seit Anfang September 1954 fuhren wir, oft im gleichen Abteil mit der Hettstedter Eisenbahn – er von Zappendorf und ich von Lieskau aus nach Halle zum damals ebenfalls noch existierenden Hettstedter Bahnhof zur „Penne“ – er zur Adolf-Reichwein-Schule, ich zu den Franckeschen Stiftungen. Zum Luxus des Pennäler-Lebens gehörte damals die Flasche Doppelkaramel, die man für 50 Pfennig in der Gaststätte des Hettstedter Bahnhofs sich hin und wieder gegönnt hat.

An den Inhalt unserer damaligen garantiert durch Alltags- und Schülerfreuden und -sorgen bestimmten Gespräche erinnere ich mich nicht so sehr – aber doch deutlich an Walek Neumanns ernsthaften, lakonischen Humor, mit dem er bereits damals schon seine Gesprächspartner zum Nachdenken bewegte. Ich glaube mich auch zu erinnern, dass er sich bereits sehr zeitig sicher war, Künstler werden zu wollen.  

Walek Neumann wurde 1940 in Raspenau bei Friedland in Böhmen, wie Joachim John, geboren. Sein Vater Karl Neumann war in beiden Orten Lehrer. Mit fünf Jahren erlebte er die Vertreibung der Familie nach Bischdorf in der Lausitz. Mit 20 begann er ein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo u. a. Prof. Wolfgang Mattheuer und Prof. G. K. Müller zu seinen Lehrern zählten. Mittlerweile arbeitet Walek Neumann seit über 40 Jahren als freiberuflicher Maler und Grafiker, zunächst in Halle/Saale, dann in Isny im Allgäu und seit März 2007 in Leipzig. Neben seiner grafischen Arbeit – er schuf Holzschnitte und ist Mitautor zahlreicher druckgrafischer Mappenwerke – entdeckte er die Freilichtmalerei für sich. Zunächst malte er mit Ölfarben, ab 1989 entstanden Aquarellgouachen. 2002 begann er mit Malreisen ins Isergebirge.  

In der Ausstellung, die wir heute hier eröffnen, sind hauptsächlich Ölgemälde aus zwei Jahrzehnten, Aquarelle und Holzschnitte zu sehen. Walek Neumann hat die Bilder und Aquarelle vor Ort vor der Natur gemalt und gehört damit zu den wenigen zeitgenössischen Künstlern, die dieses Genre mit Begeisterung und wunderbaren Ergebnissen pflegen. Es entstehen authentische, lebensnahe Kunstwerke, im besten Sinne eigenständige Reflexionen im Geist der französischen und deutschen klassischen Moderne – Gemälde eines postexpressiven Realismus mit aufregenden Valeurs und Formen. In der Ausstellung sehen Sie hallesche Motive - Gemälde der Berliner Brücke, der Moritzburg, vom Pappelgrund, der Bergschenke – weiterhin Stillleben mit Fischen, blühenden Kirschbäumen, um nur einige zu nennen.  

Helmut Mitschke sagte vor zwei Jahren in seiner Eröffnungsrede zu einer Ausstellung des Künstlers und seines Malerfreundes Johannes Lehmann im Isergebirgsmuseum Neugablonz zum Schaffen der beiden Künstler und damit besonders auch zu Walek Neumann:

„Beide Künstler meiden das Laute, Auffällige, an den rasch wechselnden Moden der Zeit Orientierte, das den heutigen Kunstbetrieb meistenteils so abstoßend macht. Beide arbeiten sie, ohne zu fragen: Womit komme ich beim Publikum an? Beide blieben sich in ihrem künstlerischen Weg über lange Zeit treu. Beide sind still, ohne verschlossen zu sein; reden mit Bedacht. Von der Gemütslage her betrachtet, umgibt beide ein wenig die Melancholie der Schöpferischen, die sich nur noch auf sich selbst verlassen.“ 

Für Walek Neumann ist die Unmittelbarkeit des Arbeitens in freier Natur als Schaffens- und Erlebnisraum, Quelle des Antriebs, Lehrwerkstatt, Ort der Stille und der Anregung gleichermaßen wesentlich Grundvoraussetzung für sein Schaffen. 

Die Natur ist für ihn Heimat und bleibender Wert und über seine Kunst ist die Natur Vermittler seelischer Bestimmtheiten – wenn wir als Betrachter es schaffen, uns zu öffnen, werden sie sich auf uns übertragen.

 

Wir eröffnen heute noch eine kleine Ausstellung mit Arbeiten Karl-Heinz Köhlers – Gemälde zum Thema Musik. Halle feiert in diesem Jahr den 250. Todestag Georg Friedrich Händels. Der Künstler wird, wie Sie wissen, in Halle als Musikmaler gewürdigt. Er hat uns aus dem gegebenen Anlass 44 handcolorierte Lithografien übergeben, die wir als Sondergrafiken anlässlich der Händelfestspiele dieses Jahres herausgeben.  

Ich wünsche Ihnen und uns allen die Chance zu einem erbaulichen Erlebnis besonderer Art und möchte an dieser Stelle allen drei Künstlern Herrn Joachim John, Walek Neumann und Karl-Heinz Köhler für Ihre sehr schönen und gut tuenden Ausstellungen herzlich danken. 
 
Dr. Helmut Stelzer

 

Rede zur Ausstellungseröffnung „Walek Neumann“ am 09. Mai 2009