Home Eroeffnungsreden Prof. Kerstin Alexander und Bernhard Michel

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Geschrieben von: Thomas Zaglmaier   
Samstag, 27. Juni 2009 um 00:00 Uhr

Wir eröffnen heute eine Personalausstellung von Frau Prof. Kerstin Alexander und eine Kabinettausstellung von Herrn Bernhard Michel. Zwei Künstler, die in Thüringen geboren wurden und nun in Halle wohnen und hier künstlerisch tätig sind. Beide Künstler sind Ihnen aus früheren Ausstellungen in diesen Räumen vertraut und ihre Arbeiten sind nicht nur bei den halleschen Kunstfreunden beliebt. 

Kerstin Alexander zeigt großformatige Leinwandbilder – die größten, die jemals in der sechsjährigen Geschichte der Galerie präsentiert wurden. Bernhard Michel zeigt die hinsichtlich den Abmessungen kleinsten Bilder, welche wir je für Sie hängen durften. Zwei Künstler in einer Präsentation, deren individuellen Temperamente künstlerische Akzente erwarten lassen – deren eigene Handschrift Markenzeichen sind und in der Kombination als Gesamtschau kontrastreicher kaum sein können. Dies kommt dem Konzept der Galerie – Vielfalt in bester Qualität, Arbeiten die uns gefallen – entgegen.  

Kerstin Alexander wurde in Jena geboren und absolvierte Anfang der 80er Jahre in Weimar eine Handbuchbinderlehre. 1986 beendete sie ihr Studium an der Burg Giebichenstein bei Prof. Gerhard Voigt im Fachbereich Grafikdesign mit dem Diplom und schloss bis 1988 ein Zusatzstudium bei Frau Prof. Eva Natus-Salamoun an der gleichen Bildungseinrichtung nahtlos an. In den Jahren 1990-2000 war die Künstlerin zunächst freischaffend auf den Gebieten der Illustration, Buchgestaltung, des Grafik- Designs, der Malerei und des Bühnenbildes in Halle (Saale) tätig. Bereits im Folgejahr wurde Kerstin Alexander als Professorin an die Fachhochschule Merseburg berufen – wo sie im Fachbereich Grafikdesign lehrend tätig ist. 

„Blick mit Störung“ nannte Kerstin Alexander ihre Personalausstellung. Die Natur verändert sich – nicht zuletzt die Menschen selbst nehmen darauf erheblichen Einfluss. Menschen rodeten Wälder und schufen Flächen für die Landwirtschaft. Im Mittelmeerbereich veränderten so ganze Landschaften ihr Gesicht, da Holz für den Schiffsbau benötigt wurde. Menschen bauen Städte, Autobahnen, Windräder, verändern Flussläufe. Wir schaffen Störungen in allen Bereichen der Natur, um zu befriedigen, worauf wir meinen nicht verzichten zu können. Wenn morgen ein neues abstruses Gebilde am Horizont von Menschenhand entsteht, werden wir es bemerken und uns dazu äußern – übermorgen haben wir uns vielleicht daran gewöhnt und wollen es in der Woche darauf nicht mehr missen. Kerstin Alexander will nicht schön färben, aber auch nicht verurteilen. Die Künstlerin verweist auf den Umstand, nennt ihn Störung und meint wohl damit auch die Abweichung von der Natürlichkeit, der wir uns mehr und mehr ergeben.  
Wenn sich Maler der Romantik mit dem Zusammenführen von Gegensätzen zu einem harmonischen Ganzen befassten und Novalis von einem Bruch spricht, der die Welt gespalten habe in die der Vernunft der „Zahlen und Figuren“, dann ist das Anliegen Kerstin Alexanders, bezogen auf unsere Zeit, vergleichbar. Sie zeigt uns die Schönheit unserer Umwelt mit den Zutaten, welche die Menschen geschaffen haben – sie zeigt den Bruch den wir akzeptiert haben und wohl auch akzeptieren müssen.  

Der Geburtstag Bernhard Michels, der in Weimar zur Welt kam, jährt sich im August dieses Jahres zum siebzigsten Mal. Zunächst war er Klempner, Rundfunkmechaniker, Monteur und Beleuchter. Bevor Bernhard Michel 1972 jedoch in den Verband Bildender Künstler aufgenommen wurde, machte er sich einen Namen als Maler und Grafiker – er galt unter Kunstsammlern schon schnell als Geheimtipp. 
Sein künstlerisches Rüstzeug erwarb Bernhard Michel bei Werner Rataiczyk und Hans Rothe, die ihn ausbildeten. Arbeiten des Malers und Grafikers wurden in zahlreichen Ausstellungen in Deutschland, aber auch in Budapest, Kalowice, Moskau, Neu Dehli, Madras und Hanoi gezeigt.  
Bernhard Michel liebt klassische Musik und Literatur. „Vielleicht“, so sagte er mir, „ist da doch etwas aus meinem Elternhaus auf mich überkommen.“ Über Bruckner und Richard Strauß haben wir gesprochen, ob Händel sich selbst auch als Europäer gesehen hätte. Und das Bernhard Michel die Werke Goethes schätzt, muss nicht nur etwas mit Weimar zu tun haben. Michel liebt Farbe in der Malerei, aber auch in der Musik und in der Literatur. Das geschriebene Wort soll nicht nur klingen und treffsicher Inhalte formulieren – es muss auch gut aussehen.  
Bernhard Michel ist ein fröhlicher Mensch. Er ist heiter und aufgeschlossen, trotz oder wegen seiner ausgesprochen tiefgründigen Art ständig über alle Prozesse unseres Lebens nachzudenken. Michel macht sich Sorgen um soziale Gerechtigkeit und ist fest davon überzeugt, dass die Menschen besser werden – nicht gleich, das wird so lange dauern, bis sich das Gute im Menschen genetisch durchgesetzt hat. Sicher, heiter gesagt – aber sehr, sehr ernst gemeint. Mit der Weisheit von fast 70 Lebensjahren zeigt Bernhard Michel uns all dies mit seiner Kunst. Keine Rede von Belehrung – betrachten Sie Michels kleine, große Kunst – erfreuen Sie sich an dem was Sie sehen, sehen wollen und ahnen.  

Für die Zukunft wünschen wir beiden Künstlern beste Gesundheit und weiterhin Erfolge sowie Anerkennung für ihre künstlerische Arbeit. Bernhard Michel wird seinen großen Geburtstag am 16. August mit Freunden gebührend feiern. Während Bernhard Michel, der nicht viel vom Reisen hält, von Wallwitz aus weiterhin mit wachem Blick seine Umwelt zeigt und uns mit seinen Arbeiten sicher auch weiterhin Freude und Genuss bereitet, wird Frau Alexander einem Ruf als Professorin für ein Jahr nach Kairo folgen. Ein Jahr Pause vom halleschen Atelier sollte heißen – Ausstellung 2011 „Kerstin Alexander – Meine Ägypten-Bilder, Zeichnungen, Aquarelle, Pastelle“. Wir würden uns freuen. 

Hiermit ist die Ausstellung eröffnet.