Home Rezensionen Brücken-Duo setzt Halle-Serie fort

Warenkorb

VirtueMart
Ihr Warenkorb ist derzeit leer.

Künstler und Lieferanten




Like it? Share it!


Designed by:
SiteGround web hosting Joomla Templates
Geschrieben von: Peter Godazgar, Mitteldeutsche Zeitung   
Mittwoch, 24. Februar 2010 um 00:00 Uhr
HALLE/MZ. Mit den tanzenden Türmen fing es an. Sechs Jahre ist es her, da zeichnete der Maler und Grafiker Steffen Christophel eines der charmantesten Porträts des halleschen Marktplatzes. Der Rote Turm sowie die Hausmanns- und die Blauen Türme der Marktkirche scheinen sich darauf im Dreivierteltakt gemütlich zu wiegen.

 

Es folgten, in großen Abständen: zweimal der Dom sowie das Riesenhaus in der Großen Brauhausstraße. Nun legt Steffen Christophel quasi den fünften Teil seiner Halle-Porträts vor. Anschauungsobjekt sind diesmal die beiden Berliner Brücken, beide wohlgemerkt: Im ebenso unverwechselbaren wie feinen Christophel-Strich zeigt die Grafik die Bauwerke, als sie kurzzeitig einträchtig nebeneinander standen.

 

Steffen Christophel ist wahrlich kein Schnellzeichner, dafür stehen am Ende des Weges aber auch immer feinste Zeichnungen, aus denen ein ebenso liebevoller wie ironischer Blick auf die Saalestadt spricht. Alle Halle-Motive haben übrigens dasselbe Format, etwa 15 mal 20 Zentimeter; die Druckauflage der tanzenden Türme ist allerdings bereits vergriffen.

 

Die Autos sind meistens ein bisschen kugelig und stehen in mitunter waghalsiger Anordnung in der Landschaft. Und vor den Dom stellt der Zeichner einfach den von der Stadt hartnäckig ignorierten Brühmann-Brunnen. Zeichnen lernen, heißt: sehen lernen, hat Christophel irgendwann mal gelernt. Und später irgendwo anders gelesen: Zeichnen lernen heißt: weglassen.

 

Es braucht schon einige Dutzend Entwürfe, bis der 47-Jährige mit dem Ergebnis zufrieden ist. "Das ist ein langsames Rantasten." Am Anfang aber steht immer der Ortstermin: Dort fertigt Christophel Fotos und erste Skizzen an, die später, in einem winzigen Atelier in seiner Wohnung in der Südstadt vollendet werden.

 

Der Entwurf, der die strenge Selbstzensur des Malers passiert, wird dann in eine 15 mal 20 Zentimeter große Kupferplatte geritzt, eine eher "handwerkliche Tätigkeit", sagt Christophel selbst. Schwierig, aber gerade deshalb auch sehr reizvoll. Mit der fertigen Platte marschiert Christophel dann ins Künstlerhaus 188 am Böllberger Weg, wo er auf einer alten Presse die Drucke anfertigt. Manchmal vergisst er über diese Arbeit die Zeit: Einmal, sagt er, war es drei Uhr in der Früh, als er wieder auf die Uhr schaute.

 

Was fasziniert Steffen Christophel an Halle? "Dass die Kontraste hier so dicht beieinander liegen", antwortet er. Und das Wasser. Und die Türme. Und die Brücken. Und noch so vieles mehr. "Man spürt auf Schritt und Tritt die Historie."

 

Derzeit ist Steffen Christophel übrigens mit einem gänzlich anderen Thema beschäftigt: Fußball. Rechtzeitig zur Weltmeisterschaft wollen er und mehrere andere hallesche Künstler in einer Ausstellung ihre Sicht auf die wichtigste Nebensache der Welt vorstellen.

 

Weitere Objekte für seine Halle-Serie hat sich Steffen Christophel aber natürlich auch bereits ausgeguckt. Den Wasserturm und die Pauluskirche hat er sich als nächste Ziele gesetzt. Man darf gespannt sein - aber nicht ungeduldig.

 

Arbeiten von Steffen Christophel, natürlich auch die neue Brücken-Grafik, gibt es in der Galerie Stelzer und Zaglmaier, Große Steinstraße 57.