| Geschrieben von: Dr. Ralf-Torsten Speler |
| Samstag, 21. April 2007 um 02:00 Uhr |
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Rede zur Ausstellungseröffnung „Uwe Pfeifer – Malerei, Handzeichnungen und Originalgrafische Plakate“ am 21. April 2007 Meine sehr verehrten Damen und Herren, lieber Uwe, 60 Jahre – solch magische Zahl regt zum Nachdenken, zum Rückblick, zu Elogen und zu meist öffentlichen Ehrungen an. 60 Jahre ist Uwe Pfeifer am 14. Februar dieses Jahres geworden und es ist die 60. Ausstellung, der nach der Wende gegründeten Galerie Dr. Stelzer und Zaglmaier. Erwähnenswert ist, dass die Eröffnungsausstellung dieser nunmehr gut etablierten Galerie ebenfalls mit dem Hallenser Künstler als Auftakt begann, da der Seniorpartner der Galerie seit frühester Jugend moderne, un-angepasste Kunst in der DDR sammelte und Dr. Stelzer neben seiner Arbeit als Denkmalpfleger und Architekt zu einem hervorragenden Kenner zeitge-nössischer Kunst wurde. Sie werden sich nun fragen, meine sehr verehrten Damen und Herren, wieso spreche ich über den Künstler Uwe Pfeifer, da mein Forschungsgegenstand die Kunst des 18. und 19. Jahrhundert ist. Mein rotarischer Freund Thomas Zaglmaier und von mir hochgeschätzter und äußerst engagierter Galerist bat mich als Kunsthistoriker und vor allem Kustos der Universität zur Ausstellung und zu Uwe Pfeifer zu sprechen, da ich den Künstler am Beginn meiner Universitäts-laufbahn im Rahmen der Luther-Ehrung 1983 kennen und schätzen lernte und daraus eine Freundschaft wurde. In unserer Kunstsammlung gibt es zwei bedeutende Auftragswerke des 20. Jahrhunderts, die unsere Universität weit über die Grenzen der Stadt Halle bekannt machten. Anlässlich der Augustana-Feier 1930/31 gab der Rektor Prof. Eisfeld die heute sehr bekannten Luther- und Melanchthon-Büsten bei Gerhard Marks in Auftrag. Diese beiden Porträtbüsten – vom konservativen Senat stark angefeindet – sind die modernen Ikonen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zu der 2.: 1982 und 1983 wurden ebenfalls öffentlich weitere wichtige Auftragswerke ausgelobt. Es handelt sich um ein grafisches Blatt, eine Farboffset-Zinkografie mit dem Titel „Luthers Geburtstag“ in dem Pfeifer mit diesem Blatt zum Nachdenken über die Unstimmigkeiten der Luther-Ehrung in der damaligen DDR anregte und das sich der im vorigen Jahr ge-wählte Rektor unserer Universität, Magnifizenz Wulf Diepenbrock, für sein Dienstzimmer aussuchte. Übrigens hat Uwe Pfeifer auch den Altrektor Kreckel gemalt, der sein Bild der Universität als Stiftung vermacht hat und apropos Dienstzimmer: im Arbeitszimmer des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue in Berlin hängt Pfeifers Bild „Schöner Sommernachmittag“. Noch spektakulärer war der 1984 leidenschaftlich und konträr in der Öffentlichkeit ausgetragene Disput über das großformatige Triptychon „Tischgespräch mit Luther“. Die Odyssee dieses unbequemen Bildes ist bis heute noch nicht beendet. Vor der Wende schließlich unter autoritärem Druck gezwungenermaßen doch noch aufgestellt und von mir 1987 in der Schriftreihe der Zentralen Kustodie erstmals an der Universität veröffentlicht. Nach der Wende wurde es als wichtigstes kritisches Werk der Lutherrezeption in einer Sonderausstellung der Lutherhalle Wittenberg 1992/1993 in 12 Städten der Bundesrepublik gezeigt. Die Universi-tätssammlung besitzt weiterhin zahlreiche Zeichnungen, Entwürfe, Gemälde, so auch den Farbentwurf in Acryl des Wandbildes in Industrieemaille mit dem Titel „Weggefährten“ von 1987, in dem Motive enthalten sind, die Pfeifers sozialkritischen Stil ausmachen. Elemente wie Geländer, Harlekinaden, Papier-körbe, auf den Händen balancierende, bizarr wirkende Figuren, seine fließ-farbenen Hintergründe. Alle diese tiefsinnigen und hochästhetischen Kompo-sitionselemente finden Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren, in den Gemälden, die hier ausgestellt sind, wieder. Die Künstlerpersönlichkeit Uwe Pfeifer und sein umfangreiches Ouevre wurden in nicht mehr zählbaren Einzel-ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland zwischen 1974 bis heute vorgestellt. Und renommierte Kunstwissenschaftler, wie Heinz Schönemann, Ernst Badstübner, Peter Arlt oder Kristine Glatzel, Wolfgang Büche, Thomas Müller, Ralf-Michael Seele, Klaus und Susanne Hebecker, u. a. publizierten über den Künstler Uwe Pfeifer und dessen Werk. An großformati-gen, aufwändigen Katalogen sei der von der Städtischen Galerie Meiningen, 1995 herausgegebene Katalog „Uwe Pfeifer – Bilder seit 1984 – 1994“ genannt, 1997 erschien die große Publikation zur Ausstellung der Landeskunstgalerie Moritzburg „Uwe Pfeifer – Zeitbalance“ und brandneu ist das 200-seitige Buch „Uwe Pfeifer – Umbruch und Stille“ zu nennen, das von Klaus und Susanne Hebecker herausgegeben wurde. Diese großangelegte Monographie wird sicher zum Standardwerk zu Pfeiferschen Kunstwerken. Abschließend sei der kleine, aber hervorragend gestaltete Katalog der letzten Pfeifer-Ausstellung hier im Hause von 2003 noch genannt. Meine sehr verehrten Damen und Herren, die hier vorgestellten Gemälde, Handzeichnungen und Plakate dokumentieren die beste künstlerische Palette Uwe Pfeifers. Die im Flur hängenden Zeichnungen wiederspiegeln die Virtuosi-tät des Künstlers als Zeichner. Man wird an altmeisterliche Handzeichnungen Dürers erinnert, den Uwe Pfeifer in den beiden äußeren Tafeln des o. g. Luther-Triptychons in der Darstellung Adam und Eva künstlerisch zitiert hat. Die farbigen Papiere, die Verve des Strichs und die weißen Höhungen verleihen den Blättern einen besonderen Reiz. Porträts von Kunsthistorikerinnen und Kunsthistorikern, wie Eva Mahn, Eva-Maria Seng, Christine Glatzel, Barbara Zausch oder von dem einstigen Moritzburgdirektor Heinz Schönemann ver-weisen auf Uwe Pfeifers vielfältige Gespräche mit Kunstwissenschaftlern. Hier im großen Ausstellungsraum befinden sich Bilder wie Morgenflieger und Abendflieger oder Sommerwiese, die man zu den metaphorischen Bildern zählen kann. Morgen- und Abendflieger sind, verkürzt gesagt, die ikonogra-fische Umsetzung des seit der Antike angebeteten Morgen- und Abendsterns, Hesperos und Phospors, ein Stern, der den Tag umrahmt. Der Abendstern ge-leitet die Braut in die Arme des harrenden Bräutigams. Die Bilder „Schatten-spiel“ und „Alte Mauern“ auf der gegenüberliegenden Wand sind eine Folge des Burgen-Zyklus der 70er Jahre, die auf das Kennenlernen der Direktorin Christine Glatzel auf Burg Querfurt zurückgehen. Von den rasterartigen Halle-Neustadt-Bildern führte der neue künstlerische Ausbruch ins Burgenland von Saale und Unstrut, ohne das zeitgemäße Reisen mit Auto, Sonnenbrille, Pick-nickkorb aus dem Auge zu verlieren. Die „Amsel mit goldener Brücke“ hat ihr Vorbild in dem Nymphäum einer Gartenarchitektur in Wörlitz, die ein antikes Zitat des berühmten Architekten F. W. v. Erdmannsdorff ist. Mich erinnert es kompositorisch auch an Arnold Böcklins Toteninsel von 1883. Über das Bild „Reiter und Jurte vor Felsenkulisse“ ließe sich ein eigener Vortrag über die Be-deutung Uwe Pfeifers Reisen in die Mongolei (1976 - 1978) halten. Sein 1979 geschaffenes Bild „Selbst in mongolischer Landschaft“ hat kompositorisch Tischbeins „Goethe in der Campagne“ zum Vorbild. Ein analoges Erleben, welches Goethe in Italien zu Teil geworden ist, hatte Uwe Pfeifer in der Mon-golei erfahren. Es gäbe vieles Bemerkenswertes noch zu sagen: der maßge-bundene Einfluss des halleschen Malers Karl Völker auf Uwe Pfeifers Schaffen oder die Bedeutung Uwes Lehrer an der Hochschule für Graphik und Buch-kunst Leipzig, Werner Tübke, Meyer-Foreyt und Mattheuer u. v. m. Lassen Sie mich schließen mit dem Wunsch, dass du, lieber Uwe, uns weiterhin mit deiner Kunst erfreust, du uns mit deiner stark akzentuierten verschlüsselten Bildsymbolik zum Nachdenken bringst und zwingst und wir durch deine Kunst vielleicht auch ein wenig bessere Menschen werden. Nur wer sich nicht allein an der Ästhetik der virtuos gemalten farbigen Ober-flächen der Erscheinungen begnügt, sondern nach ihrem dahinterstehenden Sinn und ihrer Bedeutung fragt, wird Uwe Pfeifers Werke verstehen. Dr. Ralf-Torsten Speler |




