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Eröffnungen
Geschrieben von: Prof. Dr. Ludwig Deiters   
Samstag, 16. Januar 2010 um 00:00 Uhr

Einige Bemerkungen über die Arbeit von Jochen Hass anlässlich der Ausstellung einer Anzahl seiner Bilder in der Galerie Dr. Stelzer und Zaglmaier in Halle am 16. Januar 2010


Jochen Hass ist während des 1. Weltkrieges als Sohn eines preußischen Beamten geboren worden. Seiner Mutter, die sehr eindrucksvolle Behänge und andere Textilien gestaltete, verdankte er seine künstlerische Begabung. Aufgewachsen ist er in Tilsit. Nach langen Militärdienstjahren als Sanitäter im 2. Weltkrieg lebte er zusammen mit seiner Mutter ab 1945 in Weimar und studierte dort an der damaligen Hochschule für Architektur und bildende Künste Malerei. Unter der Leitung von Hermann Henselmann bemühte man sich dort in den 40er Jahren leidenschaftlich darum, an die Tradition der Bauhausjahre anzuknüpfen, arbeitete und lehrte also im Sinne der klassischen Moderne.


Nach dem Abschluss seines Studiums wurde Jochen Hass vom damaligen Inhaber des Lehrstuhls für Baugeschichte und Denkmalpflege, Hermann Weidhaas, als Assistent eingestellt. Dieser Tätigkeit verdankte er einen großen Teil seiner umfassenden Bildung auf kulturellem Gebiet und sie bestimmte seinen weiteren beruflichen Weg. Von seiner Assistententätigkeit aus musste er das gänzliche Abwürgen der Moderne und darüber hinaus der künstlerischen Ausbildung in Weimar erleben. Darum folgte er 1953 einer Aufforderung von Hermann Henselmann, der inzwischen nach seiner Tätigkeit an der Deutschen Bauakademie zum Chefarchitekten von Berlin berufen worden war und der in seinem Mitarbeiterstab einen profilierten Mitstreiter für die Abteilung Stadtbild- und Denkmalpflege suchte. Von dort führte der Weg Jochen Hass an das Institut für Denkmalpflege in die Gliederungseinheit, die die Pflege der Denkmale in den Bezirken Potsdam und Frankfurt an der Oder, später auch in Berlin, fachlich anzuleiten hatte. Er leistete dort die Arbeit, die neben ihm von Kunsthistorikern und Architekten verrichtet wurde, aber eben als ein Mann mit besonderem Blick für künstlerische Qualitäten und deren Wiederherstellung.


Ich habe jahrzehntelang mit Jochen Hass in der Denkmalpflege zusammengearbeitet, und wir alle haben im hohen Maße von ihm gelernt, vor allem wenn es um das Verständnis farbiger Befunde, um die farbliche Fassung von Räumen und Fassaden, um das Restaurieren von Wandmalereien, Mosaiken und Farbfenstern ging.


Da Jochen Hass mit Engagement und Erfolg im Kreise der Denkmalpfleger lebte, konnte er sich mit Recht akzeptiert fühlen, hatte sein Auskommen und sah sich bewahrt davor, im verordneten Stil des sozialistischen Realismus zu malen, um als Maler vom Verkauf seiner Bilder leben zu können. Er konnte malen wie er wollte, und allein aus Freude am Malen. Er konnte prinzipiell auf das Verkaufen verzichten, suchte sich aus dem privaten und beruflichen Freundeskreis diejenigen selbst aus, die sich für seine Bilder zu begeistern vermochten und schenkte sie ihnen.


So schuf er sich seine spezifische Existenz, in der er beides mit hohem Anspruch sein konnte, Denkmalpfleger und Maler.


Er beantragte und erhielt für sich und seine Mutter eine Wohnung in der Wohnungsbaugenossenschaft der Kulturschaffenden. Darin richtete er sich ein kleines Atelier ein und malte in der arbeitsfreien Zeit. Die Bilder, an denen er selbst die größte Freude hatte, die hing er auf. In dichter Komposition brachte er viele unter. Einige davon sehen Sie heute hier und es ist ein großer Verdienst des Neffen und Erben von Jochen Hass und der Galeristen, dass diese Bilder, die längst nicht mehr nur im privaten allein beachtet werden sollten, öffentlich ausgestellt werden und nun doch auch von Kunstliebhabern erworben werden können.


Auch diese Bilder sind schon historische Bilder. Sie stammen aus einem abgeschlossenen Abschnitt der differenzierten deutschen Nachkriegsgeschichte. Der Maler ist nicht mehr unter den Lebenden. Seine Bilder zeigen aber einzigartig, mit welcher Liebe und welchem Können die Entwicklungslinien der klassischen Moderne von einem sensiblen Künstler in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts außerhalb der öffentlichen Aufmerksamkeit individuell fortgeführt werden konnten, während der geforderte Kunstbetrieb in den Zeiten des kalten Krieges in dem einen Besatzungsgebiet betont realistisch und im anderen als Gegenreaktion betont avantgardistisch ausfallen musste.


Natürlich entwickelten sich aus der Persönlichkeit und der spezifischen Arbeitssituation von Jochen Hass bestimmte Charakteristika. Er bevorzugte kleine und mittlere Formate. Er malte öfter auf Holztafeln auch Sperrholztafeln als auf Leinwand, kaschierte zuweilen auch Aquarellpapier auf Hartpappe. Als Ausgleich zu den vielen Kämpfen, denen er als Denkmalpfleger ausgesetzt war, neigte er zur Ruhe und Harmonie in seinen Bildern. Das zeigt sich an den sorgfältig abgestimmten Farben in ihrem Zusammenwirken bis hin zur Einbeziehung der Formen und Töne des Rahmens. Er schätzte es besonders, alte Rahmen zu verwenden. Er liebte die Darstellung von Früchten in schönen Gefäßen, Stillleben überhaupt in vielen Variationen von der naturnahen Wiedergabe bis zur weitgehenden Abstraktion. Seine Bilder haben oft die Frische eines konsequent und rasch zur Darstellung gebrachten Entwurfs. Ehe er lange an einem Bild experimentiert hätte, malte er lieber ein Folgebild.


Aus der Tradition der Weimarer Kunsthochschule heraus war Jochen Hass für die Landschaftsmalerei gut vorgebildet. Er malte Landschaften aber erst in größerer Zahl, nachdem er – wie er sagte – die großen Möglichkeiten der abstrakten Darstellung in den Landschaftsimpressionen entdeckte. Er dokumentierte keine bestimmten Situationen, aber er nahm eine Fülle von landschaftlichen Eindrücken bei seinen Dienstreisen über Land in sich auf. Typisch für die Anregungen, die er von unserem Land heimbrachte, sind die fernen, langgestreckten Waldränder mit ihren gezackten Nadelbaumwipfeln, über denen sich ein großer Wolkenhimmel erhebt. Wolken in allen Formen und Beleuchtungen waren für ihn ein herausforderndes Motiv.


Das Malen von Porträts hätte ihm mehr Zeit abverlangt, als er zur Verfügung hatte, so mied er diesen Zweig. In den Gesichtern seiner Harlekine allerdings findet man, zuweilen etwas melancholisch, seine eigenen Züge wieder.


Sein Gesamtwerk ist erstaunlich umfangreich. Leider ist es bisher nicht so bekannt, wie es das seiner besonderen Eigenart und Qualität wegen verdiente. Diese Verborgenheit lag bisher daran, dass die von Jochen Hass dereinst Beschenkten ihre Bilder sehr zu schätzen wissen und behalten. Darum eben ist es so verdienstlich, dass mit der heutigen Ausstellung zwar wenige aber auch besonders gute Bilder vom Jochen Hass an die Öffentlichkeit kommen. Ich wünsche viel Freude daran.



Ludwig Deiters

 

 

 
Geschrieben von: Thomas Zaglmaier   
Montag, 28. September 2009 um 08:27 Uhr

Rede zur Ausstellungseröffnung Ursula Kirsch am 26. September 2009

Hand aufs Herz, meine sehr verehrten Damen und Herren, glauben Sie an Glücksbringer? Ich selbst bin da eher skeptisch. Es heißt, dem Tüchtigen gehört das Glück. Diese Aussage ist sicher auch banal, denn Glück und Unglück gehören zu den Erfahrungen, die wir sammeln müssen, um schätzen zu lernen, was uns tatsächlich an Gutem widerfährt. Und trotzdem achte ich dann doch darauf aus welcher Richtung die schwarze Katze kam und freue mich über den Gruß des Schornsteinfegers – quasi als Rückversicherung. Wer Ursula Kirschs Kabinettausstellung betritt, kann „Schwein“ haben. Da wäre z. B. das „Fressschwein“, das „Saufschwein“, das „Dreckschwein“ oder eben das „Glücksschwein“. Wer also, wie ich der positiven Wirkung des „Glücksschweins“ zweifelnd gegenübersteht, hat zumindest die Chance – nein das Glück – seine Zeitgenossen oder sich selbst zu erkennen. Ich muss nicht betonen, dass Ursula Kirsch uns diese Deutlichkeit mit einem Augenzwinkern zumutet. Wer die Künstlerin persönlich kennt, weiß um deren Liebenswürdigkeit. Wer das Künstlerehepaar im Friedeburger Atelier besucht hat, weiß um dessen Gastfreundschaft und wer mit Ursula und Dr. Dietmar Kirsch eine Ausstellung geplant und aufgebaut hat, kennt nicht nur deren Hilfsbereitschaft und Engagement, sondern darf auch mit am Tisch sitzen, wenn Ursula Kirsch mitgebrachte deftige Speisen serviert. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Der Grund für eine Galerie, eine Kirsch-Ausstellung zu konzipieren, ist immer noch die Kunst und das Wissen, dass diese Schau den Besuchern, den Galeristen und Kirschs eine Freude sein wird.

Und noch einmal Hand aufs Herz – mochten Sie das Fach Chemie in der Schule? Ursula Kirsch gehörte wohl zu jenen Schülerinnen, die das taten. Später studierte Sie Chemie und führte den Beruf mit Freude aus. Wir erinnern uns an die Kabinettausstellung anlässlich des 100. Geburtstages des künstlerisch tätigen Chemieprofessors Franz Matthes und wissen um die bildkünstlerische Arbeit von Eberhard Heise. Es muss also unbedingt eine Wechselbeziehung zwischen Naturwissenschaft und Kunst geben. Ästhetik bei scheinbar rationalen, technischen Abläufen empfinden zu können, setzt Unvoreingenommenheit und freudvolle Annäherung voraus. Den gleichen Ansatz bedarf die Kunst. So liebte Ursula Kirsch ebenfalls seit ihrer Kindheit Malerei und Grafik. Die Brücke hierzu erschloss sie wohl über ihren Onkel Kurt Heinemann. Ein, wie mir berichtet wurde, brillanter Künstler und Vertreter bester DDR-Kunst der 50er und 60er Jahre. Als Ursula Kirsch als Malerin bereits allgemeine Anerkennung und Bekanntheit über die Grenzen unserer Region hinaus genoss – nahm der Onkel ein zweites Mal Einfluss, als er ihr nach seinem Tod die alte Druckerpresse überließ. Seit etwa drei Jahren widmet sich Ursula Kirsch nun also auch der „schwarzen Kunst“. Mit bewehrtem Forscherdrang erschloss sie sich die grafischen Drucktechniken der Kaltnadelradierung, der Ätzung und der Aquatinta. Experimentierend nutzte die Grafikerin auch unkonventionelle Mittel. Da kann es schon mal sein, dass Gaze-Material bewusst mitgedruckt wird, um Materialfühligkeit zu erzeugen. Vom ausgesprochen anregenden Ergebnis all dieser Variationen können Sie sich heute überzeugen. Die erwähnte „schwarze Kunst“ ist oft der Ausgangspunkt. Der Farbe bleibt Ursula Kirsch treu. Sie coloriert Radierungen und macht diese so zu Unikaten. Wie gemacht für unser Kabinett zeigt Ursula Kirsch auch ihre Miniaturmalerei. Die Ausstellung lädt zum Verweilen ein – man entdeckt ständig neue anmutige Details. Wenn Sie sich die Ruhe nehmen, können Sie mit Ursula Kirsch die wunderbare Märchenwelt des Axel Hacke und dessen „kleinen König Dezember“ betreten. Wer Liebhaber der für das Künstlerehepaar Kirsch so typischen bemalten Holzskulpturen und Broschen ist, darf wohl dennoch auch in Zukunft auf weitere Arbeiten hoffen.

Wir freuen uns sehr, dass wir Ursula Kirschs neueste Arbeiten heute hier zeigen dürfen. Bewusst haben wir die Kombination Wientzkowski – Kirsch gewählt. Zwei hallesche Künstler, die hinsichtlich ihrer künstlerischen Ausdrucksformen und Themen kaum gegensätzlicher sein könnten. Norbert Wientzkowski hat die Arbeiten der Kirschs geschätzt und selbst erworben. Respekt, Anerkennung und Freundschaft (auch die zu Katzen) von beiden Seiten.

Wenn das Glück dem Tüchtigen gehört, dann ist es auf jeden Fall für Ursula Kirsch reserviert. Und als zusätzliche Rückversicherung ist es gut zu wissen, dass es da auch Engel gibt – sei es der „Liebesengel“, der „Blumenengel“, der „Schutzengel“ oder der „Katzenengel“.

Liebe Ursula, wir freuen uns über deine Ausstellung und wünschen dir viel Glück.

Thomas Zaglmaier

 
Geschrieben von: Dr. Helmut Stelzer   
Montag, 28. September 2009 um 08:26 Uhr

Rede zur Ausstellungseröffnung Norbert Wientzkowski am 26. September 2009

Am 21. April 2006 – es war ein Freitagnachmittag – da kam Norbert Wientzkowski überraschend zu uns in die Galerie. Das war an sich nicht ungewöhnlich – wir arbeiteten seit längerem sehr eng zusammen, hatten bereits eine Kabinett- und eine Hauptausstellung gezeigt und seine Arbeiten, darunter seine berühmten Jahreskalender, im ständigen Angebot. Doch damit hatte sein Besuch eigentlich nichts zu tun. Der eigentliche Grund war, er brachte mir mein sogenanntes „Poesie-Album“ wieder, dass ich seit 1962, noch als Student, von mir geschätzten Künstlern übergeben habe, mit der Bitte „ein Zeichen ihrer Persönlichkeit darin festzuhalten“, wie ich es damals etwas hochtrabend schwärmerisch formuliert hatte. Das war und ist natürlich auch eine gewisse Zumutung, um so etwas zu bitten – viele Künstler ließen sich viel Zeit, was verständlich ist - auch Norbert Wientzkowski. Aber an diesem Freitagnachmittag brachte er mir schließlich mein Album mit einer sehr schönen Zeichnung aus seiner Hand. Vier Tage später, am Dienstag, dem 25. April 2006 rief Frau Margrit Boeckh an, und fragte leise und vorsichtig, sie habe gehört, dass Norbert Wientzkowski verstorben sein soll und ob wir wüssten, ob daran etwas wahr sei? Natürlich konnte das nicht wahr sein. Er war ja erst am Freitag, quicklebendig wie immer, in der Galerie. Ein Telefonat aber brachte die traurige Gewissheit. Norbert Wientzkowski war am Tag zuvor, am 24. April 2006, ganz plötzlich verstorben. Alle die ihn persönlich sehr gut kannten, wussten und mussten begreifen: „Ein begabter, sensibler Künstler, ein Mann mit viel Charisma und ein verlässlicher, aufrichtiger Freund musste viel zu früh gehen“. Seitdem sind mehr als drei Jahre vergangen.

 

Wir wissen, Norbert Wientzkowski lebt durch seine Kunst weiter – wir freuen uns deshalb sehr, dass wir heute einen Querschnitt aus seinen Arbeiten in einer bereits im vergangenen Jahr geplanten Hauptausstellung zeigen können. Nach der Klärung aller erbschaftsbedingten Hindernisse kann nun allen Nachfragen entsprochen werden. Die Fan-Gemeinde wird mit Freude vernehmen, dass uns der Künstler einen reichen Fundus an Bildern, Zeichnungen und Grafiken in unterschiedlichsten Techniken hinterlassen hat. Und wir freuen uns, dass wir aus diesem Anlass nach einer Unterbrechung von nur drei Jahren wieder einen Jahreskalender 2010 mit Arbeiten des Künstlers herausgeben können, aus dessen Vorwort ich Frau Karin Schubert soeben zitiert habe. Wir danken, ich glaube auch im Namen der Verehrerinnen und Verehrer seiner Kunst, Frau Karin Schubert, die diese Ausstellung und die Herausgabe des Kalenders möglich gemacht hat.

 

Norbert Wientzkowski wurde am 17. November 1940 in Schweidnitz geboren. Er war nach einer Lehre als Gebrauchswerber und einem Studium an der Fachhochschule für angewandte Kunst seit 1966 freischaffend in Halle tätig. Seinen Lebensunterhalt verdiente er zuerst mit Gebrauchsgrafik – mit Plakaten, Signets, Broschüren für ORWO, für das Buna-Kombinat, für das Produkt „Plaste und Elaste aus Schkopau also – nach der Wende für Firmen, wie das Technologie- und Gründerzentrum (TGZ), das Biotechnologiezentrum oder die Bau- und Wohnungsgenossenschaft Halle-Merseburg. Dabei erwies sich Norbert Wientzkowski als einfallsreicher und phantasiebegabter Gebrauchsgrafiker immer mit dem werbegrafisch umgesetzten optimalen Blick auf das Wesentliche.

 

Weithin populär aber wurde der Künstler mit seiner besonderen Art, erotische Sujets umzusetzen. Ich zitiere hier gern die Journalistin Margrit Boeckh, die in ihrem Nachruf zum Tod des Grafikers die zutreffenden Worte gefunden hat: „zurückhaltend, mit leisem Charme, ganz so wie es auch seinem Wesen entsprach, hat sich Wientzkowski diesem Thema seit mehr als zwei Jahrzehnten gewidmet. In immer neuen Variationen feiert er den ewig reizvollen Eros mit Feder, Pinsel, Bleistift, als Radierung oder Airbrush, auch mal in Keramik oder Pastell.“ Die Kunsthistorikerin Frau Schubert schreibt im genannten Vorwort zum Kalender 2010: „Sein Interesse galt dem Menschen, dem Körper der Frau und der Darstellung der Beziehung der Geschlechter. Anregungen entnahm er der klassischen Literatur, vor allem den Elegien Ovids. Mit seiner wachsenden Freude an der schöpferischen, feinsinnigen Interpretation des weiblichen Körpers und erotischer Szenen wuchs auch die Dimension seines freien künstlerischen Wirkens, welches in den letzten Lebensjahren fast zur Gänze sein Schaffen bestimmte.“

 

Seit 1978 wurden die Arbeiten des Künstlers in nahezu 40 Ausstellungen gezeigt – wie schon gesagt, auch in unserer Galerie. Die Arbeiten des Künstlers wurden und waren bekannt und geschätzt. Norbert Wientzkowski hatte und hat viele Anhängerinnen und Anhänger seiner Kunst. Vor allem auch durch den bereits erwähnten, bekannt gewordenen und stets sehnsüchtig erwarteten Jahreskalender mit seinen erotischen Zeichnungen der von 1991 bis 2006 dem Jahr seines Todes 15 x erschien.

 

Norbert Wientzkowski hatte jedes Jahr erneut überlegt, ob er noch einmal einen Kalender machen sollte. Da er aber wusste, dass er sich spätestens Ende des jeweiligen Jahres, wenn die Anrufe mit den Bestellungen für den neuen Kalender kommen würden, ärgern würde, hätte er keinen vorbereitet, setzte er sich jedes Jahr ab Mai hin und schuf die 13 Zeichnungen für einen neuen Kalender. Hans-Georg Sehrt charakterisierte: „Bleistiftzeichnungen mit raffiniert an- bzw. ausgezogenen Mädchen und Frauen, deren Hüllen selbst immer mehr von ihren Reizen – gleich ob von vorn oder von hinten – vorführen, als verdecken.“

 

Gemeinsam mit Frau Schubert hat unsere Galerie anlässlich dieser Ausstellung in Erinnerung an die Kalenderserie des Künstlers, der im nächsten Jahr, am 17. November, seinen 70. Geburtstag gefeiert haben würde, und für die Freunde seiner Kunst, einen 16. Jahreskalender für 2010 herausgegeben. Dieser hier vorliegende Kalender enthält 13 Abbildungen, sorgfältig ausgewählt aus seinen interessantesten Werken. Die Herausgeber haben sich bemüht, Werke auszuwählen, die mit ihren unterschiedlichen, vom Künstler meisterlich beherrschten Techniken die Vielseitigkeit der Ausdruckskraft und die Kreativität seiner Bilder unterstreichen und damit die Einzigartigkeit seiner künstlerischen Handschrift dokumentieren. Wir hoffen, dass dieser Kalender Ihnen Freude bereiten wird. Die Originale zum Kalender hängen alle auch in der Ausstellung.

 

Wie alle seine erotischen Arbeiten sind auch diese Kalenderzeichnungen Ausdruck der Achtung und des Respekts des Künstlers vor dem weiblichen Geschlecht – seine Arbeiten sind nicht indiskret – und damit in ihrer natürlichen und unverklemmten erotischen Klarheit eigentlich jugendfrei.

 

Wientzkowski erotische, künstlerische Bekenntnisse wahren, bei aller Offenheit und der unverhüllt zur Schau getragenen sinnlichen Schönheit, immer die Würde der Dargestellten und ihre Geheimnisse. Norbert Wientzkowski hatte es mit seiner Kunst in seinen letzten Lebensjahren zu hoher Meisterschaft gebracht. Mit seinem erarbeiteten und damit seinem ständig gepflegten Talent hatte er als Zeichner die bei Künstlern nur selten erzielte räumliche Wirkung aus der puren Linie heraus erfahren und umgesetzt und dabei mit seiner natürlichen Achtung und dem Respekt vor dem weiblichen Geschlecht künstlerische Ergebnisse dieses schwierigen Genres für Jung und Alt erreicht, das in der Kunstwelt in dieser gekonnten Leichtigkeit nur selten erreicht worden ist.

 

Unvorstellbar was durch seinen Tod an künstlerischen Arbeiten nicht mehr entstanden ist. Frau Schubert fand für das Schicksal Norbert Wientzkowski ein wunderbares, passendes Zitat Michelangelos: „Ich bin nicht tot – ich tausche nur die Räume, ich bin in Euch und geh durch Eure Träume.“ Das nehmen wir gern so an. Bleibt, auch im Namen von Frau Schubert, allen zu danken, die bei der Ausstellung und beim Kalender mitgewirkt haben. Ein Dank auch an Betram Thieme, Chef des Dorint-Hotels und Freund des Künstlers Norbert Wientzkowski, der unsere heutige Eröffnung mit Sekt verflüssigt hat und auch die Herausgabe des Kalenders durch Sponsoring unterstützt hat.

 

Ich wünsche Ihnen mit der Ausstellung der Arbeiten Norbert Wientzkowskis im Namen unserer Familien Zaglmaier und Stelzer viel Freude.

 

Dr. Helmut Stelzer

 

 
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