Christoph Vieweg: Soweit die Meldungen und Spurensuche: Schätze aus verborgenen Depots

Christoph Vieweg: Soweit die Meldungen (2015 / 2025)
Ein zeichnerisches Nachrichtentagebuch
und
Spurensuche: Schätze aus verborgenen Depots
Bildende Kunst aus Nachlässen von Künstlern und Sammlern
Schaetze
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde der Galerie,

wie nehmen wir globale Ereignisse in unseren alltäglichen Wahrnehmungen auf? Welche verborgenen Schätze überdauern die Zeit in den Depots von Künstlern und Sammlern?
Die Galerie Zaglmaier lädt Sie und Ihre Begleitung herzlich zur Eröffnung dieser beiden besonderen Ausstellungen ein. Mit den zeichnerischen Notizen des Christoph Vieweg präsentieren wir ein seismografisches Protokoll zweier Jahre einer Dekade. In den Jahren 2015 und 2025 zeichnete der Künstler beinahe täglich live während der Radionachrichten – exakt 20 Minuten lang, ohne Ausnahme und ohne Nachbearbeitung. Diese dabei entstandenen 730 Blätter machen das Verhältnis von individuellem Erleben zu globalen Ereignissen eindringlich erfahrbar.
Gleichzeitig begeben wir uns mit „Spurensuche“ auf eine Entdeckungsreise in verborgene Depots. Die Ausstellung zeigt hochkarätige Werke der bildenden Kunst aus Nachlässen unserer Region, die sonst der Öffentlichkeit verborgen bleiben, und wirft einen faszinierenden Blick auf das Erbe regionaler Künstler und Sammler. Wir freuen uns auf Ihren Besuch, anregende Gespräche und ein gemeinsames Glas Wein.
Eröffnung: Samstag, 4. Juli 2026 um 15:00 Uhr
Ort: Galerie Zaglmaier, Große Steinstraße 57, 06108 Halle (Saale)
Ausstellungsdauer: 4. Juli bis 22. August 2026 
Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Team der Galerie Zaglmaier
Vieweg

Dietmar Petzold und Rolf Müller – „Sichtbares und Unsichtbares – Druckgrafik, Zeichnungen

Wir laden Sie und Ihre Freunde zu der folgenden
Ausstellung recht herzlich ein:

09. Mai 2026 bis 27. Juni 2026
Dietmar Petzold und Rolf Müller
„Sichtbares und Unsichtbares“ 

Zeichnungen und Druckgrafik
Eröffnung: 09. Mai 2026, 15 Uhr
Dietmar Petzold - „Cum grano salis IV“, 1976-77
Dietmar Petzold – „Cum grano salis IV“, 1976-77
Rolf Müller - „Daidalos“, Monotypie, 2013
Rolf Müller – „Daidalos“, Monotypie, 2013
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kunstfreunde, 

wir laden Sie und Ihre Freunde herzlich zur Eröffnung der gemeinsamen Ausstellung von Prof. Dietmar Petzold und Prof. Rolf Müller ein. Die Schau präsentiert einen facettenreichen Dialog zwischen Druckgrafik und Zeichnung und vereint zwei markante künstlerische Handschriften in unseren Räumen.

Termin: 09. Mai 2026
Uhrzeit: 15 bis 17 Uhr
Ort: Galerie Zaglmaier, Große Steinstraß 57 in 06108 Halle (Saale)
Programm: Begrüßung durch die Galerie
Einführung: Andre Schinkel (Schriftsteller und Publizist)

Wir freuen uns auf Ihr Kommen und einen inspirierenden Austausch im Beisein der Künstler. 

Herzliche Grüße,
Ihr Thomas Zaglmaier & Team

Aktuelle Veranstaltungen:

30. Mai 2026, 15 Uhr
Galeriegespräch mit
Dietmar Petzold und Rolf Müller


20. Juni 2026, 15 Uhr
LITERAtainment
Hans-Henning Schmidt liest Hermann Hesse

alle Veranstaltungen: Eintritt frei/nach Ermessen

Eröffnungsrede: Christoph Vieweg: Soweit die Meldungen und Spurensuche: Schätze aus verborgenen Depots

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kunstfreundinnen und Kunstfreunde,

wenn wir heute die Ausstellung „Spurensuche“ eröffnen, dann tun wir das mit einem Gefühl von tiefer Entdeckerfreude.

Als Galerist hat man nicht oft das Privileg, Türen zu öffnen, die über Jahre oder gar Jahrzehnte im Privaten verborgen waren. Wir durften genau das tun: Wir haben in die verborgenen Depots von Sammlern geblickt und die Nachlässe bedeutender Künstler gesichtet. Jedes geöffnete Depot, jede ausgepackte Kiste war eine Begegnung mit unserer eigenen regionalen Kunstgeschichte – und diese Entdeckungen möchten wir heute hier mit Ihnen teilen.

Ich begrüße Sie alle ganz herzlich zur Eröffnung unserer Ausstellung
„Spurensuche: Schätze aus verborgenen Depots“.

Wenn Sie heute durch unsere Räume gehen, betreten Sie private Lebensräume. Wir begegnen Werken aus Nachlässen, die oft über Jahrzehnte bewahrt wurden. Für uns war die Arbeit an dieser Schau eine faszinierende Reise, die vor allem einen tiefen Einblick in eine ganz besondere Sammlerkultur gewährt hat.

Kunst sammeln war aus meiner Sicht für viele Menschen in der DDR eher ein emotionaler, beinahe ein intimer Akt. Man tat es nicht aus monetären Gründen, nicht als Wertanlage. Und doch war man stolz auf den Besitz, denn Kunst zu sammeln war bis dahin lediglich Wohlhabenden vorbehalten. Nun sammelte man Kunst, weil man es eben konnte – und weil allein schon dies ein Stück persönliche Freiheit, Freude und Individualität bedeutete.

Kleingrafik war dabei häufig der Einstieg. Die Orte der Kunsthochschulen waren dafür die Zentren im Land, so eben auch Leipzig und unsere Stadt Halle. Grafikmärkte und die Galerien des staatlichen Kunsthandels etablierten sich erfolgreich. Private Galerien hatten es schwer, bleiben jedoch bis heute hochgeschätzt und unvergessen.
Grafikmappen waren damals die absoluten Renner unterm Ladentisch, und Jahresgaben nicht selten der eigentliche Grund für die Mitgliedschaften in den Kunstvereinen.

Manchmal wurden ganze Familien von dieser Sammelleidenschaft erfasst. So kam zur Grafiksammlung bald das erste Gemälde, die erste Plastik. Und bald schon bildeten sich daraus tiefe, lebenslange Freundschaften zwischen Sammlern und Künstlern. Anekdoten werden bis heute erzählt vom aufregenden Besuch im Atelier bei dieser oder jener Künstlerin und bei diesem oder jenem Künstler. Aus genau solchen lebendigen Verbindungen speisen sich die Schätze, die wir heute hier sehen.

Ganz besonders intensive Momente gab es für uns beim Sichten der Bestände aus dem Nachlass des Dessauer Malers Carl Marx. Wenn man seine Pinselzeichnungen in Tusche vor sich hat, spürt man sofort den freien Geist des Bauhauses. Mit nur wenigen, absolut präzisen Pinselstrichen wirft er eine ganze Welt aufs Papier. Das Besondere an der Tusche ist ja: Sie verzeiht nichts. Jeder Strich sitzt, jede Bewegung des Pinsels bleibt sichtbar. Diese Zeichnungen haben beinahe im Verborgenen überdauert und zeigen uns heute, wie zeitlos moderne, kraftvolle Kunst sein kann.

Diesen grafischen Meisterwerken steht die Malerei von Hans Rothe gegenüber. Seine Stillleben setzen Emotionen frei, die uns sofort berühren – in einer privaten Sammlung haben sie geduldig darauf gewartet, heute genau Ihr Herz zu erreichen. Daneben die unverkennbaren Arbeiten von Otto Möhwald. Seine Kunst fängt die Seele vertrauter Stadtlandschaften ein. Es fühlt sich für mich fast so an, als hätte Möhwald das Licht und die Melancholie von Halle für uns konserviert, um sie jetzt, Jahre später, hier bei uns wieder sichtbar werden zu lassen.

Und dann spüren Sie die Dreidimensionalität, die Leichtigkeit und die Wärme der gezeigten Bildhauerarbeiten. Die Bronzeplastiken von Gerhard Lichtenfeld und Heinz Beberniß strömen eine zeitlose Kraft aus. Man möchte fast die Hand ausstrecken und den Bronzeguss berühren, um die jahrzehntelange Geschichte zu spüren, die in diesen Formen festsitzt. Ein ganz dramatisches, tiefgründiges Highlight dieser plastischen Spurensuche ist das Bronzerelief „Matthias Grünewald“ von Gerhard Geyer. Geyer fängt in dieser Reliefarbeit eine ungeheure Dichte ein. Es ist ein Werk, das uns förmlich in seine Oberfläche hineinzieht und uns spüren lässt, wie viel Schmerz, aber auch wie viel kreative Besessenheit in der Künstlerbiografie Grünewalds steckt – ein echtes Kabinettstück, das viel zu lange im Verborgenen lag.

Einen wunderbaren Kontrast dazu bilden schließlich die Terrakotten von Martin Hadelich. In gebranntem Ton liegt so viel Urwüchsiges, Menschliches und Nahbares – ein Material, das die Handspuren des Künstlers direkt für uns konserviert hat.

Diese Ausstellung ist eine Liebeserklärung an das Bewahren und an die Leidenschaft der Menschen, die diese Kunst gelebt haben. Mein großer Dank als Galerist gilt daher den Familien, Sammlern und Nachlassverwaltern, die uns diese Schätze anvertraut und sie aus der Privatsphäre ins Licht unserer Galerie geholt haben. Sie können diese Entdeckungen ab heute und bis zum 22. August hier bei uns erleben.

Ich lade Sie nun ein: Gehen Sie auf Ihre eigene, ganz persönliche Spurensuche. Lassen Sie sich von den Geschichten anstecken, die diese Bilder, Plastiken und Medaillen uns flüstern. Interessenten richten sich gern auch an meine Frau Annett Zaglmaier, welche Ihnen in Ruhe heute nicht gezeigte „Hallesche Grafikmappen“ der 70er und 80er Jahre präsentieren wird.

Während wir mit der „Spurensuche“ tief in die Vergangenheit, in die Depots und in die Sammlergeschichten des vergangener Jahre eintauchen, öffnet sich hier im Kabinett ein ganz anderes, akut gegenwärtiges Fenster.
Ich freue mich außerordentlich, Ihnen heute die Kabinettausstellung von Christoph Vieweg präsentieren zu dürfen:

„Soweit die Meldungen (2015 / 2025) – Ein zeichnerisches Nachrichtentagebuch“.


Als Galerist fasziniert mich an dieser Schau die radikale Unmittelbarkeit. Christoph Vieweg hat sich einem strengen, fast asketischen Konzept unterworfen. In den Jahren 2015 und 2025 hat er jeweils ein Jahr lang täglich live 20 Minuten lang gezeichnet. Ohne Ausnahme. Ohne Nacharbeit. Und zwar genau in dem Moment, in dem die Radionachrichten liefen. Das Ergebnis liegt nun vor uns: 360 der 730 Zeichnungen, die im Abstand von genau zehn Jahren entstanden sind.

Diese Arbeiten sind nicht im stillen, abgeschiedenen Elfenbeinturm entstanden. Sie sind im direkten, fast physischen Aufprall mit der Welt entstanden. Sie sind das Ergebnis eines intensiven Prozesses, in dem sich gesellschaftliche Krisen direkt in die Hand des Künstlers eingeschrieben haben. Wenn man vor diesen Blättern steht, spürt man das schnelle, unzensierte Reagieren auf das Weltgeschehen. Die Zeichnung wird hier zum Seismografen. Sie zeichnet das Ungeheuerliche, das Absurde und das Widersprüchliche auf, das tagtäglich per Funkwelle in unsere Wohnzimmer dringt – Ereignisse, die wir im Alltag oft nur noch mit Hilflosigkeit oder einer schützenden Gleichgültigkeit quittieren.

Hier im Kabinett erleben wir ein visuelles Grundgeräusch des letzten Jahrzehnts. Vieweg konfrontiert uns mit den großen Krisen: dem Ukraine-Krim-Konflikt und dem Anschlag auf Charlie Hebdo im Jahr 2015 – gespiegelt und gegenübergestellt mit den zugespitzten Migrationsdebatten und den globalen Machtinszenierungen des Jahres 2025. Es ist ein strukturierter, fast analytischer Vergleich zweier Epochen, der uns zeigt, welche Krisenerzählungen wiederkehren und wie sich die Sprache der Nachrichten verändert hat. Dabei verharren die Blätter aber keineswegs in reiner Düsternis; wer genau hinsieht, entdeckt in der Bild- und Nachrichtensprache immer wieder auch einen kritischen, teils feinen Humor.

Dieses unzertrennbare Großprojekt, das Ende des Jahres auch im bekannten ZEIT Magazin zu sehen sein wird und von einem Buchprojekt in Zusammenarbeit mit dem Buchgestalter Christian Rothe begleitet wird, bildet das perfekte zeitgenössische Pendant zu unserer „Spurensuche“ in den weiteren Galerieräumen. Dort sehen wir das bewahrte, historisch gewachsene Erbe – hier sehen wir die Entstehung von Spuren im exakten Moment des Weltgeschehens.

Ich empfehle Ihnen, sich auf dieses intensive visuelle Tagebuch einzulassen. Vergleichen Sie die Jahre, lauschen Sie dem zeichnerischen Grundgeräusch.

Und weil man über die schönsten Entdeckungen der „Spurensuche“ am besten gemeinsam staunt und sich über die alten Ateliergeschichten austauscht, lade ich Sie herzlich ein, im Anschluss bei einem Glas Wein mit uns zu verweilen oder auch am Galeriegespräch mit Christoph Vieweg am 15. August hier im Hause teilzunehmen. Lassen Sie uns anstoßen – auf die Kunst, auf die Erinnerung und auf das friedliche Beisammensein an diesem wunderbaren Nachmittag.

Die Ausstellungen sind eröffnet. Vielen Dank!

Thomas Zaglmaier
04.07.2026