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Pressestimme: (PA) Uwe Pfeifer

Pressestimme: (PA) Uwe Pfeifer

 

Halle

Indianer zwischen Schmerz und Scherz

13.02.2012 20:13 Uhr | Aktualisiert 13.02.2012 22:50 Uhr
 
VON DETLEF FÄRBER
Halles Malerstar Uwe Pfeifer wird am Dienstag 65 Jahre alt. Eine Schau in der Galerie Stelzer und Zaglmaier zeigt ihn in seiner Kunst - jung wie eh und je.

HALLE (SAALE)/MZ. 

Ja, die Träume der Jugend! Zumindest verraten soll man sie nicht, wenn die Jugend vorbei ist. Inwiefern man ihnen ganz und gar die Treue halten soll - da gehen die Ansichten freilich auseinander. Einer, der offenbar zumindest einem Jugendtraum ganz treu geblieben ist, wird heute 65 Jahre alt: Uwe Pfeifer, Halles bedeutendster Maler und - wenn man so will - ein ewiger Indianer. Denn der Indianer ist ein Grundmotiv seiner künstlerischen Selbstwahrnehmung, das sich quer hindurchzieht durch Pfeifers Werk, das spätestens seit heute auch schon Lebenswerk heißen darf. Ein kleiner, aber eindrucksvoller Ausschnitt davon ist derzeit bei Stelzer / Zaglmaier zu sehen. Und Donnerstagabend kann dort mit dem Künstler darüber diskutiert werden.

Zum Beispiel auch über die Frage: Wieso Indianer? Anhand der Bilder kann man da trefflich spekulieren. Heinz Schönemann, der in grauer Vorzeit mal Chef der Moritzburg war, hat sich bei seiner Vernissage-Rede schon daran ver- sucht - und ist dabei auf jenen alten Indianer gestoßen, der im einstigen Kultfilm "Einer flog übers Kuckucksnest" stummen Widerstand in einer geschlossenen Irrenanstalt leistet. Stummer Widerstand? Das passt zu einem Maler, der seinen Heimatstaat DDR seinerzeit wohl auch gelegentlich als geschlossene Irrenanstalt empfunden haben mag. Zumindest legt ein Bild diesen Schluss nahe.

Doch in der neuen Schau - in der sich der formal nun ins Rentenalter gerutschte Jubilar künstlerisch jung und frisch wie eh und je präsentiert - rückt das Alter dann doch in den Blick: zumindest als Thema. Und dabei zeigt der alte Kunstindianer, dass er doch ein bisschen anders tickt als sein roter Bruder aus der Prärie, von dem es heißt: Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Pfeifer scheint den Schmerz nämlich inzwischen zu kennen - zumindest als schmerzhafte Wahrnehmung dessen, was vergeht. So zeigt etwa eins seiner drei großen "Tagtraum"-Bilder im Rücken des alten Indianers zwei stöckelbeschuhte schöne Frauenbeine kerzengerade nach oben ragend - und zwar hinter einem Fenster oder Balkon. Die Szene wie ein Fenstersturz kopfüber könnte zum Beispiel bedeuten, dass dem alten Mann im Vordergrund - ohne, dass er's merkt - gerade das Thema Liebe abhanden kommt. Freilich, wenn Pfeifers Indianer den Schmerz schon kennt, so zeigt er ihn - hart wie er ist - wenigstens nicht.

Dafür zeigt Uwe Pfeifer in dieser Ausstellung etwas, das man sowohl von ihm wie vom Klischee-Indianer eher weniger kennt, nämlich das Scherzhafte. Der Indianer mit dem Häuptlingsschmuck, der einen Rollator vor sich herschiebt, hat mindestens ebenso viel Würde wie Witz - was vor allem sein Pferd beweist, das dem Indianer hier sogar noch in Spielzeugform die Treue hält.

Spiel ist auch ein Stichwort für das, was sonst in der Schau zu sehen ist. Pfeifer - Halles Mann aus der viel besungenen "Leipziger Schule" - spielt mit Symbolen, ohne sich als Maler hinter ihnen verstecken zu müssen. Und der neue Pfeifer pfeift auch immer mal wieder auf das, was Kenner alter Pfeifer-Werke von ihm erwarten.

Ausstellung in der Großen Steinstraße 57 bis zum 6. März. Künstlergespräch am Donnerstag, 19.30 Uhr. Geöffnet werktags 13.30 bis 18.30 Uhr