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Eröffnungsrede: PA Otto Möhwald

Eröffnungsrede: PA Otto Möhwald

Eröffnungsrede: PA Otto Möhwald von Thomas Zaglmaier, 20. Mai 2017

 

 

Als wir uns mit Prof. Otto Möhwald und mit Ihnen, sehr verehrte Kunstfreunde, im Oktober des Jahres 2014 in diesen Räumen zur Eröffnung der Personalausstellung mit Malerei und Grafik des für unsere Stadt und über die Region hinaus so bedeutenden bildenden Künstlers trafen, ahnten wir nicht, dass es die letzte Präsentation in Anwesenheit des Künstlers in Halle sein würde. Otto Möhwald starb, wie seine Familie und wir alle schmerzlich erfahren mussten, gerade mal zwei Jahre später an den Folgen eines tragischen Verkehrsunfalls. Der Zug der Trauernden, am Tag der Beisetzung auf dem Kröllwitzer Friedhof, schien endlos. Uns allen begleitete auf dem Weg von der Kirche zur letzten Ruhestätte, angemessen malerisches Licht. Wir wussten, dass es ein Abschied von einem wunderbaren Menschen und nicht von seinem Lebenswerk sein würde.

Das Werk Otto Möhwalds begleitet mich, sowie sicher auch vielen anderen Menschen, seit frühester Jugend. Seine unverwechselbaren Gemälde und Lithographien sind und bleiben die Highlights in Museen und in zahllosen privaten Sammlungen. Zunächst per Fahrrad, und später dann zu Fuß, war der Künstler auch selbst im Stadtbild gegenwärtig. Persönlich lernte ich Otto Möhwald im Rahmen der Galeriearbeit kennen und schätzen. Die Kunst Otto Möhwalds ist sensibel und zurückhaltend und so wünschte er, ausgewogen reduziert und am liebsten ohne Passepartout, welches das Blatt verdecken würde, auch ihre Präsentation.

Doch nicht nur in den Jahren 2008 und 2014 war der Künstler mit Personalausstellungen bei uns vertreten! Seine Grafiken wurden hier auch im Kabinett und anlässlich von Gemeinschaftsausstellungen präsentiert. Meisterdrucker Gerhard Günther, der vor zwei Tagen seinen 75. Geburtstag feierte, zeigte bei uns im Sommer des Jahres 2004 Lithographien, darunter selbstverständlich Arbeiten von Otto Möhwald, aus 30 Jahren seiner Tätigkeit. Sämtliche hier gezeigten Lithographien entstammen dieser fruchtbringen Künstlerfreundschaft in der Druckerei an der hiesigen Kunsthochschule. „Otto war Perfektionist!“ berichtete mir Gerhard Günther. „Er bemalte den Stein mit allen farblichen Abstufungen, so wie er sich den Druck letztendlich wünschte. Solche Feinheiten werden gewöhnlich jedoch erst im Druck gesteuert.“ Prof. Möhwald schätze, bei der Arbeit in der Druckerei, die Ruhe. Ihm missfiel lautstarkes Fluchen! Doch wenn Gerhard Günther ein gemäßigtes „so ein Hack“ entfuhr, war Möhwald auf das Köstlichste amüsiert.

Wer Tag für Tag im Atelier konzentriert arbeitet, sucht Zerstreuung. Diese fand Otto Möhwald (wie bereits erwähnt) bei ausgedehnten Spaziergängen, aber auch in der Literatur und der klassischen Musik, vor allem in der von Gustav Mahler. Überglücklich war der bildende Künstler, wenn er Menschen traf, mit denen er sich über die Musik austauschen und Musik in angenehmer Gesellschaft hören konnte. Ein gutes Gläschen Wein in Maßen gehörte dazu! Dass Otto Möhwald Skat spielte, konnte ich mir nie recht vorstellen, und doch gehörte er seit Jahrzehnten zur Freitagsrunde. Hier traf er sich mit anderen Künstlern und Freunden, spielte mit und sah wohl auch mit Freude einfach mal zu.

Als Galeriebesucher war Otto Möhwald regelmäßig unser Gast. Er durchschritt immer ruhig die Räume und äußerte Kritik oder Zustimmung verhalten und respektvoll. Wenn Prof. Möhwalds Schüler ausstellten, war er besonders interessiert ihre Entwicklungen festzustellen. Dann führte ihn sein Weg manchmal auch zwei- oder dreimal zu uns.

Die heute hier zu eröffnende Personalausstellung umfasst vier Räume. Sie sehen neben einem Ölgemälde aus dem Jahr 1991 Lithographien des Zeitraumes von 1976 bis 2012, also immerhin aus 36 Jahren des Schaffens eines der wichtigsten halleschen bildenden Künstlers dieser Zeit. Die älteste heute präsentierte Lithographie ist das „Saaleufer mit Giebichenstein“! Erfreuen Sie sich an den gezeigten Interieurs im Flur, den Akt-Darstellungen im mittleren Raum links und den für den Künstler so charakteristischen Halle-Grafiken in den beiden giebelseitigen Räumen unserer Galerie! Sie sehen Lithographien in s/w- und farbiggetönten Drucken, aber auch Farbdrucke in zwei oder drei Vorgängen. Jede dieser Arbeiten hat geringe Auflagen. Zusätzlich sind jene Lithographien, welche Prof. Möhwald nachträglich überarbeitete und kolorierte, Unikate.

Obwohl in seinen letzten Lebensjahren ihn eine Augenkrankheit das Malen und Zeichnen erschwerte, gab er es nie gänzlich auf. Er verfolgte weiterhin mit großem Interesse die Entwicklung unserer Stadt und blickte skeptisch auf die umfänglichen Bauwerkssanierungen, die ihm die Motive nahmen. 

Wir werden Otto Möhwald und sein so einnehmendes und wundervolles künstlerisches Werk immer in unseren Herzen bewahren.