Drucken

Pressestimme: (KA) Hans-Christoph Rackwitz

 

Porträts mit kurzem Pinselstrich

01.04.2008 19:03 Uhr | Aktualisiert 01.04.2008 19:37 Uhr
 
VON PETER GODAZGAR
Im August 1961 machte sich ein junger Mann, der damals in Dresden Architektur studierte, auf den Weg nach Usedom, um einem längst berühmten Maler einen - unangemeldeten! - Besuch abzustatten.

 

HALLE/MZ. 

Der Student Helmut Stelzer traf dort, auf einem Grundstück zwischen Koserow und Zempin, einen weißhaarigen Mann, der im Garten arbeitete: Otto Niemeyer-Holstein.

Ein Herzenswunsch

Fast fünf Jahrzehnte später dürfte sich für den Galeristen und Architekten Helmut Stelzer mit der aktuellen Ausstellung in der Großen Steinstraße ein Herzenswunsch erfüllen. Seit dem Wochenende sind die Arbeiten des bedeutenden Malers Niemeyer-Holstein in Halle zu sehen. Es sind vor allem Porträts: Niemeyer zeigt die Menschen, die er mit kurzem Pinselstrich und eher blassen Farben malt, ausnahmslos in melancholischer, nachdenklicher Pose.

Niemeyer-Holstein - seinen Nachnamen ergänzte er auf den Rat eines befreundeten Schriftstellers um das Wort "Holstein", um seine geografischen Wurzeln hervorzuheben - wurde 1896 als fünftes Kind des Völkerrechtlers Prof. Theodor Niemeyer in Kiel geboren. Bereits seit den 1930er Jahren lebte er auf Usedom, wo er 1984 auch starb.

Passion für Baukunst

Was Otto Niemeyer-Holstein in Gesichtern liest, liest Hans-Christoph Rackwitz in der Architektur: Dem Zörnitzer ist die Kabinettausstellung gewidmet, die zeitgleich eröffnet wurde: Zu sehen sind neue und neueste Arbeiten des in Halle und der Region bekannten Malers. Rackwitz' Passion für Baukunst und architektonische Details trifft sich mit den Interessen der Galeristen Stelzer und Zaglmaier, die ja studierte Architekten sind.

Und auch Rackwitz selbst schwankte bei seiner Berufswahl zwischen einem Architekturstudium und der Ausbildung zum bildenden Künstler. Er wurde Künstler - doch seine Liebe zum architektonischen Bestandteil spricht aus jedem seiner Bilder.

Rackwitz' mit geradezu barockem Detailreichtum angefüllte Arbeiten liefern auch eine Art Chronik dieser Region: Landschaften im Saalekreis, das Schloss Seeburg, das Portal zum Kammerturm des Merseburger Schlosses, Halles Marktkirche. Hans-Christoph Rackwitz ist sozusagen der Präzisionsarbeiter unter den hiesigen Künstlern. Kabinettausstellungen mit ihm sollen übrigens zu einer festen Institution in der Galerie Stelzer / Zaglmaier werden - jeweils im Frühjahr.

Otto Niemeyer-Holstein und Christoph Rackwitz: Große Steinstraße 57, bis 7. Mai, montags bis freitags von 13.30 bis 18.30 Uhr und nach Vereinbarung.

Die Magie von Halles Markt

10.10.2008 18:31 Uhr | Aktualisiert 10.10.2008 21:35 Uhr 
 
VON DETLEF FÄRBER
Hallenser klagen gern. Nicht zuletzt auch über den Platz im Herzen ihrer Stadt. Mal ist der Markt zu schmutzig, mal missfällt eine neuere Fassade und mal fehlt ein älteres Rathaus.

HALLE/MZ. 

Und dann packen sie die Koffer und reisen dorthin, wo es auf der Welt noch richtig was zu bewundern gibt. Dabei würde zu Hause vielleicht auch mal nur der Griff zur Brille genügen - und die Bereitschaft zu sehen und zu staunen, ohne zuvor erst in die Ferne zu schweifen.

Eine Anleitung hierfür hat jetzt der Grafiker Hans-Christoph Rackwitz geliefert. Mit einem geradezu genialen künstlerischen Wurf hat er den Hallensern ihren Marktplatz buchstäblich zu Füßen gelegt. Nun müssen die sich nur noch über ihn beugen, ihn in dieser so kolossalen künstlerischen Draufsicht in sich aufsaugen, um ihn dann endlich gebührend ins Herz zu schließen.

Die Geschichte dieses Bildes ist äußerst ungewöhnlich - und dennoch schnell erzählt. Rackwitz, der im Saalkreis lebt und arbeitet, ist dennoch Hallenser geblieben und auch künstlerisch am Thema Halle so nah dran wie kaum einer seiner Kollegen. Doch anders als Maler wie Karl-Heinz Köhler oder Iris Band, die - jeweils auf ihre Weise - die Magie des Stadtbilds in kühnen Farbspielen oder in fast fremdartigen anmutenden Mosaikstrukturen entfaltet haben, ist Rackwitz zunächst ein Mann des genauen Details, ein Künstler der filigranen Präzision.

Und als solcher vertraut er darauf, dass sich nach einer raffinierten Wiedergabe seiner Bestandsaufnahmen jene Magie auf ganz andere Weise herstellt, die andere in eher visionärer Art erreichen und ihren Betrachtern vermitteln.

Bei der Bestandsaufnahme für sein "Marktpanorama"-Projekt spielten übrigens zwei Fotografen der Mitteldeutschen Zeitung eine wichtige Rolle. Als Günter Bauer jüngst bei den Bauarbeiten am Roten Turm die Gelegenheit zu einer großartigen Rundumblick-Serie nutzte, war Rackwitz davon so angetan, dass er sogleich ans Werk ging. Doch auch das jüngste Luftbild des Markts von Lutz Winkler inspirierte den Grafiker, der seiner Variante dann allerdings eine Art idealen Draufblick zugrundelegte. Für den hat er die Spitze des Roten Turms aufgeschnitten, um aus dieser Perspektive zu zeigen, wie der Markt - anders als fast alle großen Marktplätze weit und breit - in alle Himmelsrichtungen seine volle Wirkung entfaltet. Das entstandene Bild enthüllt also einen bislang wenig beachteten Aspekt jener Aura, die dieser vielgestaltige Platz entfaltet, wenn man ihn nur richtig auf sich wirken lässt. Folglich ließe sich das im im Durchmesser fast einen halben Meter große Bild gut und gern sogar verkehrt herum aufhängen - oder auch als Querformat von oben und unten. Schließlich zeigt uns Rackwitz vier Schokoladenseiten in grandioser Synthese. Was er bei seiner langen Arbeit am Bild gelernt hat? - Rackwitz überlegt nur kurz: "Der Markt hat Substanz", sagt der Künstler in seiner nüchternen Art - und fügt fast schon schelmisch hinzu: "Genug, um auch ein paar Sünden zu verkraften."

Die Grafik gibt es in limitierter Auflage in den Galerien Stelzer und Zaglmaier (Große Steinstraße 57) und in der Zeitkunstgalerie (Kleine Marktstraße 4).

 
 

 


Anzeige pro Seite
Sortieren nach
*
Preise inkl. MwSt., zzgl. Versand